Samstag, 23. April 2011

Wie könnten die ersten Schritte im Web aussehen?

In der heutigen Zeit ist für ein Unternehmen, Verein oder Initiative Öffentlichkeitsarbeit ohne eigene Webpräsenz nicht mehr denkbar. Doch nicht jeder Trend, jedes Tool oder jeder Dienst, der im Web angeboten wird, macht zu Beginn des Web-Engagements Sinn. Wie könnten die ersten Schritte im Web aussehen?
  1. Definieren sie ihre Zielgruppe und stellen sie Inhalte zusammen, mit denen sie die Zielgruppe in regelmäßigen Abständen via Web versorgen wollen - aber Vorsicht: das Internet hat nie Redaktionsschluss. Planen sie zum Erstellen der Inhalte das nötige Zeitbudget in ihren Tagesablauf ein,
  2. sollten sie eine eigene Website erstellen (lassen), denken sie bitte an die sogenannte Suchmaschinenoptimierung: Google zeigt ihnen in einer Einführung wie es geht. Diese Arbeit ist wichtige, da viele ihrer User über Google & Co. bei ihnen landen werden,
  3. nutzen sie weitere kostenlose Dienste von Google: Google Analytics (zum Analysieren der Zugriffszahlen auf ihre Website), Google Alerts (hier bekommen sie per eMail eine Meldung, wenn im Internet zu ihrem Unternehmen etc. "gesprochen" wird), Google Maps und Google Street View (damit sie in den lokalen Karten/ im Branchenverzeichnis erscheinen),
  4. in einem nächsten Schritt sollten sie sich mit "Social Media" beschäftigen: auf Facebook können sie eine Fangemeinde aufbauen, mit Twitter können sie Kurznachrichten versenden, in einem eigenen Blog ein Tagebuch führen, bei YouTube einen eigenen Web-TV-Kanal eröffnen - alle diese Dienste sind kostenlos,
  5. am Ende heißt es über das Web seine Beziehungsnetzwerk zu pflegen und auszubauen. Einen Dialog anstoßen, um so Feedback und Anregungen zur Verbesserung seiner eigenen Dienstleistung zu erhalten.
"Learning by doing" heißt die Devise - seien sie mutig.

"One map at a time" (Patrick Meier) - re:publica XI

Der letzte Vortrag im Friedrichstadtpalast war ein weiteres positives Beispiel einer nicht-deutschen Web-Inititative (mehr zu dieser Problematik in meinem re:publica-Fazit), wie man mit dem Internet die Welt ein klein wenig besser machen kann.

Patrick Meier stellte sein Projekt ushahidi.com vor.


ushahidi.com ist eine "Live-Mapping-Plattform". Im Fall einer Krise oder Naturkatastrophe erreichen die Macher Daten über verschiedene Medienkanäle (SMS, flickr, eMail, YouTube, twitter, skype, facebook, den tradtionellen Medien etc.). Diese werden schließlich zeitnah in eine große Gesamtkarte übertragen, die schließlich von Hilfsorganisationen für ihre Arbeit genutzt werden kann.

Das Beispiel Haiti hat sehr gut gezeigt, wie die Plattform funktioniert: Per SMS-Kurzwahl 4636 haben viele Freiwillige mit dem Erfassen der Lage begonnen. Die Bekanntmachung des Dienstes wurde über Radiostationen verbreitet. So konnten Hilferufe via SMS auf der Landkarte verortet und Hilfe geschickt werden.

In Libyen rief erstmals auch die UN via Tweet zum Mitmachen in Sachen "Live-Mapping" auf. Was erstaunliche ist, da große Institution sich nur sehr zögerlich der Web-2.0-Bewegung anschließen.

Wer macht die ganze Arbeit im Hintergrund? Viele Ehrenamtliche weltweit, die in der "standyby volunteers task force" organisiert sind. Das sind über 500 Personen, die nach einer Schulungen "die Welt von ihrem Laptop aus verändern." - Mitmachen erwünscht: join@standbytaskforce.com bzw. http://download.ushahidi.com.

Auch in Tunesien, Ägypten etc. war Social Media inkl. "Live-Mapping" fest verankert in der politischen Bewegung: "We use facebook to schedule protests, twitter to coordinate and youtube to tell the world." - Der ägyptische Widerstand koordinierte über diese Webdienste seine Arbeit inkl. das virale Verbreiten von Routen, die die Protestbewegung gehen sollten.

Wie geht es weiter mit ushahidi.com? Der Dienst soll weiterentwickelt werden. Es soll u.a. die Check-in-Funktion von foursquare, gowalla und facebook integriert werden, um mit noch mehr Daten ein noch präziseres Abbild der Realität zu erhalten - Datenschützer freut Euch!

Patrick Meier beendete seinen Vortrag mit den Worten: "For every event radio is the sound, tv is the image and mapping the location." - wir werden sehen!?

P.S. Nur so am Rande: Kein Live-Mapping, aber auch nicht schlecht: http://www.mundraub.org

"Cameras everywhere" (Sam Gregory) - re:publica XI

Dies war eine der Sessions, die mir wie eine Wundertüte daher kam. Eigentlich ging ich an diesem Tag mit einer vielleicht zu deutschen Mentalität in die Session: Meine Erwartungen gingen eher in Richtung Videoüberwachung und Überwachungsstaat. Aber nein - es ging darum, wie man durch Webvideos die Welt transparenter und so ein Stück besser machen kann.

Das Motto von "Witness" lautet: "See it. Film it. Change it. Using video to open the eyes of the world to human rights violations." - die Organisation bietet die Infrastruktur und das Know-How, um mit Videokameras Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.

In der heutigen medialen Zeit sind "Events" auch im Kleinen möglich. Der Anlass mag ein unschöner sein und das Gezeigte oft nicht familienfreundlich. Fern ab jeden Quotenkampfs werden weltweit die Gräueltaten des menschlichen Miteinanders - oft unter Einsatz des Lebens - von Reportern dokumentiert.

Welche Formate gibt es unter den sogenannten "Human Rights Videos"?
  • Foltervideos, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit entstanden sind und im Nachhinein veröffentlicht werden,
  • Rekrutierungsvideos zum Anwerben von Kindersoldaten etc.,
  • Verbrennungsvideos,
  • Remixvideos: schreckliche Bildern hinterlegt mit emotionaler Musik.
So gibt es weltweit viele Orte, an denen die Reporter im Einsatz sind. Die Tatsache, dass die große Weltöffentlichkeit Bilder erst erreichten, wenn die "traditionellen" Medien darüber berichteten, scheint durch Tunesien, Ägypten & Co. zu kippen. Sam Gregory konnte sehr gut zeigen, dass alle "drei YouTube-Producer-Typen" (meine Bezeichnung!) in Ägypten im Einsatz waren und jeder Producer seine Bilder produzierte und der Welt so das mediale Fenster öffnete.

Ägypten hat gezeigt, dass der mediale Druck auf Entscheidungsträger im Großen funktionieren kann. Bleibt zu hoffen, dass auch im Kleinen Erfolgserlebnisse nicht ausbleiben.

"Diaspora Backstage" (Maxwell Salzberg) - re:publica XI

Die Story hinter "Diaspora" ist schnell erzählt. Einige Geeks rund um Maxwell Salzberg entwickeln in einem Open-Source-Projekt einen "besseren Weg zum Teilen der Daten via Social Media". Die Idee war schnell geboren, die Finanzierung ließ sich via Crowdfunding stemmen (Kickstarter.com berichtet in seinem Blog darüber!).

Worum ging es dann in dem Vortrag? Über zehn Punkte, die Maxwell Salzberg im Rahmen des Projektes gelernt hat und die wir für unsere Projekte anwenden können:
  1. find something you love. do that.
  2. start with the simplest thing that work. start with a solution that works. don't be afraid to try something 'dump'.
  3. make stuff that reflects the world you want to live in.
  4. you already know the best people you will ever met.
  5. ideas are dime a dozen. give one away and think of ten more. the best idea you ever had is the one your friends are also excited about.
  6. release early and often.
  7. have fun with what you are doing.
  8. the way to make awesome stuff: don't go out on fridays night.
  9. share the love! - to inspire people.
  10. you can't be afraid to fail.

Freitag, 22. April 2011

"Zeigen Sie den Anderen das Licht" (Gunter Dueck) - re:publica XI

Der Höhepunkt der "re:publica XI" - Gunter Dueck spricht es aus: Wir stehen in Deutschland vor großen Herausforderungen - mit dem "Internet als Gesellschaftsbetriebssystem"! Erst anschauen, dann weiterlesen:



Ich möchte auf folgende Aspekte seines Vortrags eingehen:

Die Theorie mit dem Menschenbild X und dem Menschenbild Y hat mich sehr überrascht. Ja - wir sind in Deutschland eine vom Menschenbild X geprägte Gesellschaft. Das war nicht immer so! In der Nachkriegszeit galt es viel aufzubauen - hier wurde viel Energie in den Aufbau unserer Gesellschaft investiert. Warum hat das nachgelassen? Viel wichtiger: Was muss getan werden, um wieder zurückzusteuern?

Der mentale Wille zur Professionalität vermisse ich sehr stark in meinem persönlichen Umfeld. Professionalität im Sinne von: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Teamfähigkeit, Menschen überzeugen und führen können, der Wille zur Vernetzung und seine Fähigkeiten zu optimieren. Mein Eindruck ist, dass bei der Arbeit sehr viel auf eigene Bequemlichkeit und nicht Kundenzufriedenheit als höchstes professionelles Ziel geachtet wird. Das schadet nicht nur dem Qualitätssiegel "Made in Germany", sondern manifestiert das Menschenbild X mehr und mehr!

Und somit stellt sich für Existenzgründer/innen die Frage aller Fragen: Bleibt mein Beruf, meine Dienstleistung nach der Reorganisation der Arbeit noch übrig? Professionalität setzt genau hier an: Ich muss im Rahmen eines stetigen Prozesses verstehen wollen, was meine Kunden wollen. Und die Nachfrage muss ich dann wirklich bedienen "können" und nicht mehr nur theoretisch wissen. Denn: "Was können Sie einem Menschen noch beibringen, der zwei Stunden gesurft hat?"

Die Aufforderung, meine Mitmenschen in Platons Höhle das Licht zu zeigen und nicht weiter ins Licht zu gehen ("nicht 3.0!"), werde ich mir zu Herzen nehmen! Ich werde weiterhin in Workshops den "normalen" Menschen das Web 2.0 nahebringen - mit meinem eigenen professionellen Anspruch, in den Workshops die Sprache der "Normalen" zu sprechen. Vielleicht ist das meine Möglichkeit, den Prozess der "Willensbildung" zu fördern?

"Facebook Revolution" (Zahi Alawi) - re:publica XI

Die ganze Welt schielte mit einem Auge immer wieder nach Nord-Afrika und Nahost und verfolgt dort den Prozess des politischen Wandels und den Einfluss von facebook & Co. Der Journalist Zahi Alawi teilte mit uns seine Eindrücke.

IRAN
  • Erste Blogger/innen wurden in Iran nicht als gefährlich durch das damalige Regime angesehen,
  • online sind im Iran diejenigen, die sich das Web finanziell leisten können. Somit gehören die Meinungsmacher/innen in Arabien zur Schicht der Studierten und Gebildeten.
TUNESIEN
  • Wo alles begann! Und zwar so: Ein arbeitsloser Tunesier wollte, um Geld zu verdienen, auf einem belebten Platz Gemüse von einem kleinen Wagen aus verkaufen. Die tunesische Polizei verbot ihm dies. Der Mann sah keine Hoffnung mehr seine Familie ernähren zu können und verbrannte sich öffentlich. - Dies war der Impuls, der das Fass zum überlaufen brachte und die Welle lostrat,
  • das Internet wurde ein Fenster zur Meinungsäußerung, ein Ort zum Organisieren und zum Transportieren der Revolution,
  • der Weg hin zur Demokratie ist ein langer Prozess und dauert nach der Einschätzung von Zahi Alawi sicher eine Generation.
SYRIEN
  • In Syrien ist z.Zt. eine Revolution (fast) ohne Internet im Gange.
LIBYEN
  • Hier wurde vom Westen der falsche Weg eingeschlagen - ein zweites Irak droht. In einer "Digitalen Revolution" sollte es die Bevölkerung von alleine schaffen. Die Libyer wissen selbst, was sie brauchen und was sie wollen.
Sein Fazit: Facebook und Co. haben den politischen Prozess beschleunigt. Sie sind aber nicht der Grund für die Revolution.

"The internet of elsewhere" (Cyrus Farivar) - re:publica XI

Dies war einer der Vorträge, der mich echt überrascht hat. Auch wenn der Eindruck entstehen konnte, dass es sich um eine Buchpräsentation zum gleichnamigen Buch hätte handeln könnte, wurde ich eines besseren belehrt.

In einer Stunde entführte uns Cyrus Farivar auf eine mentale Reise in vier Länder dieser Erde. Vier Länder und die Geschichte des Internets dort - sehr beindruckend! Begeben wir uns ein zweites Mal auf diese Reise des "Internet of elsewhere":

SÜD-KOREA
  • Süd-Korea hat das schnellste und günstigstes Breitband-Internet,
  • 1980ern begann der politisch gewollte Aufbau des Internets - mit der Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Vorteil,
  • der Kopf hinter all dem war Professor Chon, der sehr früh den Web-Nachwuchs von Morgen interdisziplinär ausbildete,
  • diese Web-Entrepreneurs gestalten heute die Online-Geschicke von Süd-Korea.
SENEGAL
  • Schon sehr früh wurden Anstrengungen unternommen, die Gesellschaft "online" zu bekommen, aber irgendwie fasste das Web nicht so richtig Fuß,
  • die Infrastruktur ist nicht das Problem: Viele der Datenkabel, die den Kontinent Afrika mit dem www verbinden, liegen direkt vor der Küste Senegals,
  • bis heute liegt die Internet-Penetration bei mageren ca. 14%,
  • die Gründe: eine mangelnde Bildung der Bevölkerung, in der nur wenige wirklich lesen können. Wirtschaftliche Aktivitäten halten sich aufgrund des Bildungsnotstandes somit auch in Grenzen und das Internet dümpelt vor sich hin.
ESTLAND
  • Ein Paradies für Geeks: Freies Wi-Fi überall! Durch das Projekt "Tiigrihüpe (Tiger's Leap)" der estnischen Regierung wurde das Land fit gemacht: Stand heute: 1141 WiFi-Hotspots über das ganze Land verteilt,
  • Gründe für den fortschrittlichen Geist der Esten liegt in der Zeit der UdSSR: Die Sowjets ließen dort viel forschen und gründeten viele Institute, die nach der Wende zum Teil noch existieren: Skype wurde z.B. in Estland entwickelt,
  • und es geht weiter: Erste e-Government-Versuche mit Online-Voting und elektronischer Pass wurden in Estland durchgeführt,
  • nach einigen heftigen Hacker-Attacken wurde das ccdcoe gegründet, eine Art Verteidigungsministerium für das Internet,
  • neueste Entwicklungen: Das Handy/ Smartphone wird auf jede Bürgerin und jeden Bürger personalisiert. Somit kann man mobil wählen oder shoppen gehen.
IRAN
  • Iran hat mit 30% die höchste Web-Penetration in der ganzen Region,
  • das Vorgänger-Regime förderte das Bloggen,
  • im weltweiten Vergleich liegen die persischen Blog der Menge nach auf Rang 3,
  • nach einer Welle des Aufbruchs, steuert das religiöse System seit einigen Jahren nun massiv dagegen - hierzu ein Tweet in Zuge der gescheiterten grünen Revolution: "god is with us. do you filtering him too?"

"Trollforschung – inkl. Startrant" (Sascha Lobo) - re:publica XI

Ich selbst habe das Referat von Sascha Lobo "Jüngste Erkenntnisse der Trollforschung" live leider verpasst - zum Glück gibt es ja das Internet und so erhält man eine zweite Chance.

Zu den ersten 12 Minuten von mir nur soviel: RECHT HAT ER!!! Vom zweiten Teil bleibt bei mir hängen, dass massives "trollen" im Web nicht Alles sein kann und sein muss. Und: Es geht nicht ohne Trolle - somit lasst uns die Online-Pubertät verlassen und gemeinsam das Offline-Leben mitgestalten!

"Visueller Datenjournalismus" (Christina Elmer) - re:publica XI

Was es für digitale Nischen-Jobs gibt, erfuhr ich beim Vortrag von Christina Elmer zum Thema "Wie Journalisten Daten finden und sicher nutzen". Anbei einige Einblicke in das Leben einer "Visuellen Datenjournalistin".

Anhand einer Visualisierung von Datensätzen kann man der Trockenheit von Statistik entgegenwirken und die Datensätze journalistisch nutzen. Die klassischen Stabdiagramme an den Wahlabenden inkl. Sitzverteilungen in den Parlamenten sind hier nur die Spitze des journalistischen Eisbergs.

Vielmehr geht es darum durch Übersichtskarten, z.B. Kriminalstatistik in Landkreises, eine rasche visuelle Übersicht zu generieren. Schließlich lassen sich anhand der Daten Geschichten entdecken, die journalistisch aufgearbeitet werden können.

Wie geht man dabei vor?
  1. Der erste Schritt ist die Beschaffung und das Aufspüren von Daten. Um die Daten weiterverarbeiten zu können, müssen sie meist gescrapt, gescannt oder/und konvertiert werden. Je nach Datenquelle könnte es auch ein per-Hand-eingeben werden,
  2. Datenquellen können Tabellen und Datenbanken sein, die man via Google sucht (listen or tabellen or datenbanken, formate filetype:xls / pdf / mdb) oder via direktem Kontakt von Behörden, Ämtern oder NGOs erhält. Beim Kontakt mit den Datenlieferanten sollte man die in der jeweiligen Branche gängigen Termini und Amtscodes kennen und verwenden,
  3. die Informationsfreiheitsgesetze, die in fast allen Bundesländern gelten (mins fünf), regelt die Weitergabe der Daten durch die Behörden und Ämter - theoretisch! Überregionale Webdienste sind: regionalstatistik.de und die Website des statistischen Bundesamts,
  4. mit Hilfe von Excel (Tabellenkalkulation) oder Gephi (Netzwerk-Darstellung) kann schließlich die Geschichte der Daten offenbart und weiter recherchiert werden.
Mit zwei Beispielen beendete Christina Elmer ihren Vortrag: Die Belegungsquote in deutschen Gefängnissen (nach Bundesländer sortiert) und die prozentuale Verteilung der Teilnehmenden des Berlin-Marathons nach Landkreisen.

"Medienkompetenz - was soll das?" (Jürgen Ertelt) - re:publica XI

Als ein "Anwalt der Medienkompetenz" war diese Veranstaltung ein "Muss" für mich. Jürgen Ertelt vom Projekt JugendOnline.eu fasste den aktuellen Stand der Dinge wunderbar zusammen.

Das komplette Webvideo des Vortrags zum Anschauen:

Quelle: http://vimeo.com/22396466

Die interaktive Präsentation ist abrufbar unter http://popplet.com/app/#/17303.

P.S. Die SPD scheint den Absatz aus ihrem Parteiprogramm gestrichen zu haben - konnte ihn nicht mehr finden!

"Modern Revolutions are Digital Revolutions" (Connecting Africa) - re:publica XI

Mehrere Panels auf der "re:publica XI" beschäftigten sich mit dem Thema Web-Revolution(en) in Afrika. Aber nicht nur der Norden wurde beleuchtet - auch Problemstellungen auf dem gesamten Kontinent im Kontext Vernetzung, Internet und Infrastruktur.

Amira Al Hussaini, Claire Ulrich, Ludger Schadomsky und Geraldine de Bastion teilten mit dem Publikum ihre Erfahrungen - erstaunliche Informationen aus erster Hand:
  • In Äthopien gibt es - auf die Gesamtbevölkerung gerechnet - lediglich 0,4% Internet-Penetration. Die Macht-Elite verschleppt bewusst Investitionen in die Web-Infrastruktur und überwacht Internet-Cafés = Machterhalt 1.0,
  • in Kamerun ist im Wahlkampf das System der Mini-Korruption gängige Praxis, d.h. potentielle Wähler/innen erhalten Bargeld und verticken als Gegenzug die Handynummern ihrer gespeicherten Kontakte. Es wird schließlich eine fingierte Wahlempfehlung via SMS im Namen des "Freundes" versendet,
  • Social Media verbindet Afrika endlich zu einem Kontinent: Die Sprachbarriere fällt und der grenzüberschreitende Dialog beginnt. Das gleiche Schicksal (Diktaturen, Armut etc.) verbindet und bietet die gemeinsame Grundlage für das "Wir". Es entsteht ein länderübergreifender Support via Web - z.B. im Rahmen der Revolution(en) in Afrika. Zitat: "Erst waren WIR alle Tunesier, dann Ägypter!"
  • die Vision einer gemeinsamen zivilisierter afrikanischen Gesellschaft ist das, was die Leute antreibt, auf die Straße zu gehen. Ganz anders als das "alte" autarke Stammesdenken vieler Afrikaner/innen.

"Lichtblick 2.0" (Christian Friege) - re:publica XI

Als Partner der "re:publica XI" durfte GF Christian Friege der Lichtblick AG einige Worte an uns richten. Nach Angst-Exposition mit Fukushima & Co. - die Öffentlichkeitsarbeit würde auch ohne dieses Szenario wunderbar funktionieren - kam er dann auch gleich zur Sache.

Anbei seine Thesen zu "Wie Schwärme Marken, Märkte und Machtgefüge verändern":
  1. Märkte sind Gespräche - aber: Viele Unternehmen lassen nicht mit sich reden,
  2. Kunden definieren Marken - und zwar im Web-Gespräch,
  3. wirtschaftlicher Erfolg im Zeitalter 2.0 basiert auf Glaubwürdigkeit - aber: glaubwürdig ist nur, wer Ökonomie und Nachhaltigkeit konsequent verbindet,
  4. parallel zur Demokratisierung durch Web 2.0 demokratisiert sich die Energieerzeugung: Aus Verbrauchern werden Erzeuger (Stichwort: ZuHauseKraftwerk),
  5. intelligentes Energiemanagement ist entscheidend für die Energiewende. Aber Vorsicht: "smart energy" ist heute oft ein Marketing-Gag (Stichwort: greenwashing),
  6. Web 2.0 kann die Energiewende kritisch begleiten - und vor allem: Beschleunigen!
Meine Meinung: Viele Kunden sind (noch) nicht dialogfähig und -willig. Das Web 2.0 ist ihnen fremd. Es liegt nun an uns "Digital Natives", die "Digital Immigrants" an die Hand zu nehmen und sie mit den neuen medialen Möglichkeiten vertraut zu machen.

P.S. Die Mitarbeiter/innen bei Lichtlick dürfen offiziell bloggen: Ich gratuliere!

"Design Thinking" (Philipp Schäfer) - re:publica XI

Albert Einstein sagte einst: "Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben."

Dieses Zitat aus der Keynote zur Eröffnung der "re:publica XI" beschäftigt mich seitdem - meine Gedanken möchte ich hiermit mit Euch teilen!

Philipp Schäfer von ideo.com brachte es auf den Punkt: Design in der heutigen Zeit ist mehr als Grafikdesign. Gegenstände oder Services müssen einer eigenen Logik folgen. Einer Logik, die von der Benutzerin und vom Benutzer her gedacht werden muss und nicht vom Produzenten.

Design ist somit ein Ansatz, Probleme zu lösen. "Design Thinking" benennt den gesamten Findungsprozesses. Probleme können im globalen Kontext stehen (Klimaerwärmung, Armut etc.) oder im häuslichen Kontext (Bedienbarkeit einer Spülmaschine etc.).

Warum wird das Suchen nach Lösungen nun nicht gesamtgesellschaftlich vorangetrieben? Welches sind die größten mentalen Barrieren? Oft findet man sie in Form von Angst oder in Form von kulturellen Gegebenheiten. Die enorme technische Entwicklung scheint einer jeden und einem jeden Ohnmacht zu verleihen.

Was wären die ersten Schritte gegen die Ohnmacht?
  1. Wir müssen lernen die richtigen Fragen zu stellen und nicht Antworten auf ungestellte Fragen präsentieren,
  2. um der Komplexität Herr zu werden, muss das Menschliche im Mittelpunkt eines jeden Lösungsansatzes stehen,
  3. denn nur das, was den menschlichen Ansatz berücksichtigt, wird sich durchsetzen können,
  4. über das Internet sind wir Teil eines Hyperbewusstseins. Probleme der Welt sind somit barrierefrei in einem globalen Ansatz lösbar!
  5. Weltweite Netzwerke zu weltweiten Themen helfen beim Gestalten (designen) von Lösungen.
Philipp Schäfer präsentierte uns zwei Beispiele aus der Praxis: das Human-Centered Design Toolkit und OpenIDEO. Sehr ermutigend - let's go!

P.S. Die komplette Keynote ist anschaubar unter http://vimeo.com/22387957.

Freitag, 15. April 2011

re:publica XI oder die Suche nach dem deutschen Ego

Meine erste re:publica ist rum und einige Eindrücke gilt es nun zu verarbeiten und einzuordnen. Am ersten Tag beschlich mich sehr stark das Gefühl, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer körperlich zwar anwesend waren, aber der Drang eine Verbindung zum Internet herzustellen wichtiger erschien, als den analogen Speakern zu folgen. Das eigentliche Ankommen der Gäste erschien mir somit erst am zweiten Tag der Fall gewesen zu sein, als man aufgrund der Infrastruktur sich mit dem Offline-sein abgefunden hatte.

Für mich stand das Zuhören, das Wirkenlassen und das Einordnen im Mittelpunkt der ersten Hälfte der re:publica. Und ich stellte fest, dass die eigentlichen gedanklichen Impulse nicht von deutschen Speakern kamen, sondern von den Gästen aus der Welt. Die Blogger aus Afrika oder Programmierer aus USA waren mental Champions League - viele deutsche Beiträge eher 2. Liga (leider habe ich Sascha Lobo verpasst.).

Meine zweite Hälfte der re:publica war nun geprägt nach meiner Suche nach dem Warum, der Ursachenforschung für den deutschen Kleingeist. Ich erkannte sehr schnell, dass wir Deutsche im Web sehr stark als Bewertungsrichter/innen auftreten - damit meine ich, dass einer Idee, Initiative, Personen sehr schnell eine emotionalisierende Meinungswelle von leserbriefartigen Kommentaren entgegenschwappt. Der eigentliche Dialog auf Augenhöhe scheint nur vereinzelt stattzufinden.

Es wurde sich mental sehr viel in der Vergangenheit aufgehalten. Vielleicht ist aber diese Art von therapeutischem Analogdialog auch nötig, um sich den Ballast von der Seele zu reden? Oft suchten Teilnehmende von Podiumsdiskussionen eine Bestätigung ihrer eigenen Meinung aus dem Plenum. Leider tauchten Visionen, wie man die Welt mit dem Internet von Deutschland aus verbessern könnte, kaum bis gar nicht auf.

Vielleicht waren sogar Visionäre im Publikum und schützten ihre Vision und ihr Ego vor einer Enttäuschung, weil man davon ausging, dass die anwesende Mehrheit über einen herfallen oder die eigenen Ideen evtl. nicht begreifen könnte?

Neben Medienkompetenz sollten wir ab sofort auch eine Egokompetenz aufbauen. Egokompetenz definiere ich als die Fähigkeit, seine analoge und digitale Identität zu synchronisieren. Da z.Zt. aber eher Egotaktik (Kurzbesuch Renate Künast) vorgelebt und schließlich imitiert wird, steht uns in der Selbstwahrnehmung eines jeden und einer jeden die größte Hürde bevor.

Anstatt an einem gemeinsamen Web-Selbst zu stricken, stand die Tage über die Systemkritik der erwachsenen Offliner im Mittelpunkt, deren Egoverhalten von einigen Teilnehmenden wunderbar imitiert wurde. Körperliche - aber nicht geistige - Präsenz auf der re:publica als Egoprofilierung? - ich hoffe in meinem tieferen Inneren, mich zu täuschen!

Haben wir uns verloren in der Medienwelt? Gibt es sie, die Anker zurück in die Realität?

Ein Weg könnte das Trainieren des eigenen Geistes im Sinne der Aufklärung sein. Ein bewusstes Wahrnehmen der Umwelt und seiner Mitmenschen - ohne eine Technik dazwischen. Keine technische Barrieren im Miteinander, sondern der analoge Kontakt als hohes Gut.

Das Erlernen des kritischen Zuhörens. Das Austauschen von unterschiedlichen eigenen Standpunkten. Das Formulieren einer eigenen Meinung, die man als Anwalt in das analoge und digitale Netzwerk trägt und gemeinsam weiterentwickelt. So würden auch in Deutschland Ideen und Visionen mit einer gewissen Strahlkraft entstehen. Es darf auch den meinungsführenden Webleuchtürmen gerne einmal widersprochen werden.

Netzwerke helfen, um sogar etablierte Institutionen und System zu erziehen und für diese neuen Ideen zu begeistern - der Tweet der UN bzgl. der Krisenkarten von Libyen hat es bewiesen. Diese Systeme sind lernfähig - lasst uns auf diese zugehen und sie einladen zum Dialog!

Auf der kommenden re:publica sollte der Dialog mit der "Entscheidungsträger-Lobby in Anzügen" begonnen werden, um die Binnenkommunikation der Web-Community zu unterbinden. Die Diskussion muss von uns mit dem Mainstream geführt werden, sonst werden wir mit unserem deutschen Nicht-Ego irgendwann von Nordafrika, Indien & Co. als Web-Freigeister überrannt.

+++  Meine Eindrücke habe ich in einzelnen Blogbeiträgen für Sie zusammengefasst. Eine Übersicht finden sie hier. +++

Samstag, 9. April 2011

Gehörst Du zur "Next Generation of Producers"?

"The next generation needs to be more than good writers and good storytellers. As the technology evolves there is a demand for producers who can shott or edit their own material. The more you can bring to the party, the more marketable you will be."

Judy Tygard