Sonntag, 27. März 2011

Vom politisch interessierten Nicht-Wähler (2006) - zum appellierenden Ungültig-Wähler (2011) - zum überparteilichen Netzwerker (2016)

"Es liegt in der Natur des Menschen, vernünftig zu denken und unvernünftig zu handeln."


Mein Briefwahlzettel (2011)

Meine Lebensrealität: Die Welt vernetzt sich. Das Miteinander wird eingeübt. Neue Ideen entstehen im Kollektiv. Wie reagiert das System "Politik"? Wahlplakate mit Wahlversprechen, die für fünf Jahre ganz schon hochgesteckt sind und ihre Kandidaten als einzelkämpfende Themen-Anwälte in den Mittelpunkt der Kampagnen stellten.

Im Wahlkampf entstand der Eindruck, jede Partei wolle und können nur im Alleingang die politisch gefilterten (wirklich wichtigen?) Themen unserer heutigen und morgigen Zeit bewältigen. Und Lösungsansätze liegen auch schon in den Schubladen. Lösungsansätze, die erst nach der Wahl umgesetzt werden sollen. Warum nicht schon gestern?

Es wird niemand alleine bzw. keine Partei im Alleingang die wichtigen Weichenstellungen für unsere gemeinsame Zukunft vornehmen können!

Die emotional geprägte Debatte über AKW-Laufzeiten inkl. angst-förderndes Agenda-Settings hat mich sehr erschreckt. Eine sachliche Debatte über die gesamte Energiesituation in Deutschland benötigt ein gesamt-gesellschaftliches Forum inkl. realistischer Zeitfenster. Oft vergessen: Ein sofortiger und schneller Ausstieg birgt ebenfalls Sicherheitsrisiken inkl. der Atommüll-Endlagerproblematik, die wir gemeinsam diskutieren müssen.

Anscheinend haben zu allen Themen immer Alle ein wenig recht - somit mein wohlwollender Appell an das politische Establishment:

1. Vernetzt Euch - bildet überparteiliche Themennetzwerke, die konstruktiv und lösungsorientiert motiviert sind - nicht strukturell institutionalisiert,

2. sucht das Gemeinsame anstatt das Trennende zu inszenieren und holt Euch Experten aus dem Wahlvolk an Eure Seite.

Ich persönlich habe ein starkes Interesse daran, dass sich in unserem Land etwas ändert. Hierzu müssen wir uns jede und jeder an die eigene Nase packen. Beispiel Mobilität: Muss es immer das Auto sein? Änderungen fangen immer bei einem selbst an. Und es tut verdammt weh, sich als menschliches Gewohnheitstier zu ändern. Aber: Es geht nur so!

Als politischer interessierter Nicht-Wähler habe ich nun die Rolle des appellierende Ungültig-Wähler eingenommen. Es fällt mir schwer, in dem zum Teil unsachlichen Stimmenwirrwarr, den Willen zur Vernetzung herauszuhören. Trotzdem bleibe ich ein Fan der Demokratie und stehe "überparteilich" für eine vernetzte Gesellschaft jedem Mitmenschen in Weinheim, Baden-Württemberg und darüber hinaus als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.

Besondere Zeiten benötigen ein neues Nachdenken: Kein "entweder-oder", sondern ein "gemeinsam-handeln"! Sonst gehören wir und unsere Nachkommen irgendwann alle zu den Verlierern. Wer will das schon?

„Vielleicht sollten wir unvernünftig denken und vernünftig handeln!“

Freitag, 18. März 2011

Nach Fukushima - welche Farbe hat die Welt?

Wenn man die Stimmungslage in meinem persönlichen Umfeld oder in den Medien betrachtet, scheinen Viele sich liebend gerne eine übersichtlichere Welt zu wünschen. Ganz klare Fraktionen: Gut und böse - schwarz und weiß.

Im Zuge der sich täglich verschärfenden Reaktorkatastrophe in Fukushima wurden sehr schnell die Stimmen laut, in Deutschland sofort alle Atomreaktoren abzuschalten. Die Politik reagierte. Der "böse" Atomstrom soll nun vorzeitig auf's Abstellgleis kommen - theoretisch! Emotional ist dieser Wunsch vertretbar.

Ein wenig Eigen-Recherche dieser emotionalen StimmungsmacherInnen würde ausreichen, um feststellen zu können, dass auch ein abgeschaltetes Atomkraftwerk Sicherheitsrisiken birgt. Plus: Wo soll der ganze Atommüll denn nun schließlich "endgelagert" werden?

Es geht bei diesem Beispiel nicht mehr um Schwarz- oder Weißmalerei - es geht um einen gesellschaftlichen Mittelweg, was aus der Welt nunmal eine "graue" Welt macht. Es liegt an uns ErdenbürgerInnen sich nicht im fundamentalen Gedankengut zu verschanzen, sondern in einem gesellschaftlichen Dialog unsere graue Realität gemeinsam bunter (!) zu gestalten.

Konkret: Jede und jeder sollte mit dem Energiesparen beginnen, seine Mobilität einschränken und nicht zu jeder Jahreszeit eine riesige Auswahl an Obstsorten in unseren Supermärkten erwarten.

Das Schüren von Angst in Wahlkampfzeiten lähmt oder verhindert diesen Prozess, da suggeriert wird, dass lediglich meine Stimmabgabe ausreicht und ich mich in meinem Lebensalltag nicht einschränken muss.

Die Welt ist grau - es gibt hellgraue und dunkelgraue Momente. Wir haben es selbst in der Hand, "bunte" Akzente zu setzen. Wann fangen wir an?

Dienstag, 1. März 2011

Tageslosung (01.03.11): Grundgesetz § 1, Art 1+2

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Ich bin 1. wütend auf einige deutsche Mitmenschen, 2. erneut enttäuscht von der Politik, 3. frustriert vom intellektuellen Establishment.

1. Auch wenn Meinungsfreiheit als Grundrecht im Grundgesetz verankert ist, sollte weiterhin Artikel 1 und somit die "Würde des Menschen" im Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen Handelns stehen. Das haben einige meiner deutschen MitbürgerInnen die vergangenen Tagen vergessen: Ob bei twitter, facebook oder ebay - es war zum Teil nicht mehr lustig, was alles an viralen Trittbrettfahrern online Aufmerksamkeit suchten - auf Kosten des Menschen "zu Guttenberg".

2. Es gibt kaum einen Bundespolitiker, der die vergangenen Tage sich als wählbar anbot. Das Tribunal im Bundestag war das Übertreten einer Linie, die mein Letzt-Vertrauen in unsere angeblichen Volksvertreter erlöscht hat. Vielleicht wähle ich ab sofort "ungültig"?

3. Alle Menschen sind gleich! Somit sind Doktor-Titel & Co. in einer modernen Gesellschaft eigentlich nicht nötig. Wichtig ist der Wille zum gemeinsamen Engagement. Ich habe keinen Doktor-Titel, brauche keinen und will auch keinen. Ich glaube an die Gemeinschaft und den gemeinsamen Nenner "Frieden". Wer Unfrieden säht, beschämt seine Doktorwürde.

Wie soll es nun weitergehen? Ich weiß es nicht - werde beten...