Samstag, 24. Dezember 2011

Was versteht man unter Gottesdienst-Design?

Weihnachten steht vor der Tür. Gottesdienste zu jeder Stunde und für jede Zielgruppe. Die Kirchen werden wieder überfüllt sein. Wurde in der Vorbereitung an alles gedacht - auch an das "Gottesdienst-Design"?

Beim Googlen werden Sie keine brauchbaren Suchergebnisse zu "Gottesdienst-Design" finden. Ich verwechsle mein Anliegen auch nicht mit der Liturgie eines Gottesdienstes. Es geht ganz schlicht um die Tatsache, das Setting des Gottesdienstraumes und den Gottesdienstablauf - nach welcher Liturgie auch immer - für die Gäste mitfeierbar zu designen.

Ich wurde in einem Gottesdienst von meinen Sitznachbar einmal gefragt, wie ich denn wüsste, welches Lied gesungen würde. Ich meinte nur ganz trocken, dass es an der Tafel angeschlagen sei. Leider war für diesen Gast die Art der Liedauskunft codiert. Wenn man die diversen Liturgien der vielen unterschiedlichen Kirchengemeinden einmal auseinandernimmt, stößt man auf viele Codes, die meist nur der jeweiligen Kerngemeinde bekannt sind.

Genau diese Codes sollte man für seine Gäste unter Gesichtspunkten des Designs de-codieren. Mit den Augen eines jeden und jeder Gottesdienstbesucher/in Schritt für Schritt das Ankommen, den Gottesdienst und das Nachhausegehen analysieren und bewusst planen, damit jeder Gast beim Mitfeiern des Gottesdienstes innerlich nicht abschaltet und so verloren geht. Gutes Design beinhaltet mehr als das Layout des Liedblatts. Gutes Design stellt den Menschen in den Mittelpunkt.

Freitag, 23. Dezember 2011

Social Media - what‘s next?


Der Wandel der Zeit wird spürbar schneller. Veränderungen und Wandel dauerten in früheren Jahrhunderten ganze Generationen. In den letzten 15 Jahren verwandelte sich durch das Internet unser Planet von einem Handkarren in eine Mondfähre. Viele Internetdienste ließen den Planeten kleiner werden. Facebook, YouTube, twitter, foursquare, Google+, Smartphone, App, Tablet sind unsere mediale Gegenwart - was kommt als Nächstes: What‘s next?

Mein Zwischenfazit gegen Ende des Jahres 2011: Der Mensch rückt in den Mittelpunkt der Welt. - Ich rücke in den Mittelpunkt. - Ich bin nicht mehr fremdbestimmt durch etablierte Systeme, sondern lebe selbstbestimmt in den Tag und gestalte mit dieser gewonnen Freiheit diesen Planeten mit um. Social Media hilft mir dabei!

Wenn ich in den Mittelpunkt rücke, kenne ich mich überhaupt? Ich frage mich: Wer bin ich? Was ist aus mir geworden? Was wird aus mir? Bin ich zufrieden?

Ich bin nicht alleine auf der Welt - auch nicht in der Virtuellen. Soziale Netzwerke werden sichtbar und mächtig. Jeder Knotenpunkt in meinem Netzwerk hat Einfluss auf meine Stimmung, die Themen und die Dynamik meiner Nachbarschaft. Kommuniziert und organisiert wird sich u.a. mit Hilfe der Social Media.

Wie kann aus dem „Ich“ ein „Wir“ werden? Ich muss auf Motzerinnen und Motzer zugehen und sie in etablierte Netzwerke integrieren. Ich muss ihnen zuhören und eine Beziehung zu Ihnen aufbauen. Miese Stimmung verbreitet sich in einem Netzwerk rasant. Das Ziel heißt, positive Dynamiken anzustoßen oder zu finden und zu fördern.

Wie lautet eine mögliche Mission für uns: Wir als Early Adopters in Sachen Social Media sollten unsere analogen Netzwerke von den Chancen von Social Media vorschwärmen und allen Offlinern als Integrationsberater/innen zur Seite stehen. Wir sollten Solidarität vorleben und über facebook & Co. multiplizieren. Wir sollten Zuversicht zeigen. Mentor/in sein.

Am Ende des Tages geht es nicht um mich mich alleine - es geht um uns und wie wir als Knotenpunkt in unseren sozialen Netzwerken agieren und kommunizieren. Das ist der Mehrwert für jede und jeden von Social Media!

What‘s next? Wir schaffen Schnittmengen von unseren virtuellen Netzwerken mit den etablierten Netzwerken der realen Welt und schaffen ein lebensbejahendes Miteinander für uns und die, die nach uns kommen.

Was macht eigentlich ein Social-Media-Producer?


Die Berufsbezeichnung Social-Media-Producer (SMP) stammt nicht von mir. Allerdings hat mir die Wortkreation aus dem Medienkanal “Social Media” und dem Job eines “Producers” vor einiger Zeit so gut gefallen, dass ich ihn erst einmal adaptierte. Nach einigen Monaten  als selbstständiger SMP möchte ich meine Definition der Berufsbezeichnung nachreichen:

1. Ein Social-Media-Producer entwickelt und koordiniert die Social-Media-Strategie seiner Kunden und produziert schließlich gemeinsam mit einem Team von Social-Media-Reportern – oder eigenständig – Beiträge in Form von Videos, Fotos und Textbeiträgen. Er weiß, was sich hinter dem Begriff ZMOT verbirgt und nutzt dieses Wissen bei der Produktion und Koordination der Beiträge im Internet.

2. In interdisziplinären Teams entwickelt der SMP gemeinsam mit dem Kunden eine Social-Media-Strategie. Diese beinhaltet eine Definition der Zielgruppen, eine Vernetzungsstrategie mit den Zielgruppen über die jeweilige Social-Media-Plattformen und dem Finden von Ideen für redaktionelle Inhalte, die zum Medienkanal Social Media passen. Des weiteren werden gemeinsam mit dem Kunden Ziele, Ressourcen und ein Budget festgelegt.

3. Im Rahmen der Konzeptionsfindung tritt der SMP als Coach in Erscheinung und hilft dem Kunden bei der Wahrnehmung seines Selbstbildes. Er führt Schulungen, Fortbildungen und Workshops (Kameratraining, Kommunikationstraining, Recht, Mediengeschichte, facebook & Co.) für und mit dem Kunden durch und stärkt so die Medienkompetenz der in Social Media aktiven Mitarbeiterschaft des Kunden.

4. In der Praxisphase bleibt der SMP zentraler Ansprechpartner. Er ist Stimme und Ohr des Kunden und übernimmt bei der Umsetzung der Social-Media-Strategie die Redaktionsleitung sowie das Community Management – eine Option wäre auch eine Inhouse-Lösungen des Kunden. Er koordiniert die Social-Media-Reporter-Schar, die Inhalte in Form von Filmen, Fotos und Textbeiträgen für die einzelnen Social-Media-Kanälen produzieren. Der SMP ist ebenfalls vertraut mit den klassischen PR-Instrumenten und ist Schnittstelle zwischen alter und neuer Medienwelt (Website, Pressemitteilung, Flyer etc.). Bei der Gestaltung und Umsetzung von Website, Pressemitteilungen und Flyer kann er sich ebenfalls einbringen.

5. In seinem eigenen Medienlabor beobachtet der SMP den Medienmarkt und testet in Pilotprojekten neue mediale Optionen. Die gesammelten Erfahrungen gibt er an seine Kunden weiter.

6. Egal, ob facebook, Flyer oder Festessen. Mit seinem Netzwerk an Partnerfirmen ist der SMP in der Lage, Dienstleistungen in hoher Qualität anbieten zu können. So lassen sich Lebenserfahrung, Fachwissen und neuartige Visionen wunderbar unter einen Hut bringen und Beziehungen im analogen und digitalen Umfeld knüpfen und pflegen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Neun coole Schulen im Web

Einige Internetdienste verändern mit ihrem Service die Art wie wir lernen und unterrichten. Anbei einige der Interessantesten:

  1. www.engineerguy.com: Komplexe technische Zusammenhänge erklärt von einem echten Professor,
  2. www.cnx.org: Offene Seite für alle, die ihr erarbeitetes Wissen mit allen teilen wollen,
  3. www.apple.com/education/itunes-u: Ein Service von Apple in Kooperation mit diversen Universitäten. Vorlesungen zum Download ohne Immatrikulationsbescheinigung,
  4. code.google.com/intl/de-DE/edu: Großes Wissensarchiv für zukünftige Webentwickler und Programmierer,
  5. www.moma.org/modernteachers: Das Museum of Modern Art bietet Lehrern vorbereitete Unterrichtseinheiten zum Thema Kunst,
  6. www.pbs.org/teachers: Professionell zusammengestellte Unterrichtsmaterial,
  7. www.youtube.com/education: Enormes Video-Archiv,
  8. www.khanacademy.org: Der Klassiker von und mit Salman Khan,
  9. www.rpi-virtuell.net: Deutsche Plattform für Religionsunterricht & Co.

Samstag, 1. Oktober 2011

Eine Woche nach der dmexco: Was passiert, wenn nichts passiert?


Ich als Nicht-Anzug-Träger und Nicht-iPhone-Nutzer schlenderte als Exot durch die Messehallen in Köln, um nach Inspiration zu suchen, und fand mich irgendwie auf dem Planeten „dmexco“ kaum zurecht. Orientierung bot zwar das gedruckte obligatorische Messeprogramm, aber die einzelnen Messestände (von Google mal abgesehen) waren eher ausladend als einladend. Bombastische Messeauftritte von für mich unbekannte „Markengrößen“, die sich hinter codierten Schlagwörtern versteckten, von denen mit Sicherheit die halbe Belegschaft vor einem halben Jahr noch nicht wusste, welche Bedeutung und welche Relevanz sich hinter diesem Begriff wohl verstecken mag.


Dann fand ich die „Debate Hall“, eine sehr gute Einrichtung mit fähigen Wortbeiträgen. Die beste Session war zum Thema: „Brand Building at its best“.





In vielen Dingen konnte ich innerlich zustimmen:

Für uns Digital Natives gibt es keine Trennung zwischen der analogen, physikalischen Welt und den digitalen Möglichkeiten im Internet. Es ist und bleibt eine Welt mit realen Menschen. Menschen, die reale Beziehungen brauchen.

Das Aufheben der mentalen Trennung zwischen analog und digital gilt auch für Marken: Eine nur online exklusiv vertretene Marke wird es sehr schwer haben, zu wachsen. Ein Anker in der realen Welt macht es für Marketing & Co. einfacher.

Die Ära, in dem der Konsument im Mittelpunkt alles Handelns stehen sollte, ist durch Web 2.0 angebrochen. Die Konsumenten kontrollieren Marken. An den Kontrollverlust wird man sich gewöhnen müssen. Das wird für die deutsche Mentalität eine große Herausforderung: Hierzulande ist man gewohnt in Struktur, Infrastruktur und Technologie zu denken und zu handeln - der Konsument kommt allzu oft immer erst am Schluss.

Was ist somit für uns zu tun: Es müssen reale Momente für Konsumenten entstehen, die es zu konservieren gilt, am Besten auf allen verfügbaren Medienkanälen. Nur so kann man Leute nachhaltig erreichen und ihre Vorlieben ändern.

In der „Congress Hall“ ergänzt Alfredo Gangotena von Mastercard in seiner „Opening-Keynote: Global Brand Building in the Digital Age“ diesen Trend: In New York wird Shopping immer mehr zum Sport. Via Kamera im Spiegel des Umkleideraums kann jede und jeder via Screenshot sein Netzwerk um Rat fragen, ob das aktuelle Outfit zu einem passe.

Was passiert, wenn nichts passiert? Wer den Wandel verschläft und es nicht in die digitale Welt schafft, wird an Bedeutung verlieren, wie - laut Gangotena - 7 der 10 Top-Marken des letzten Jahrzehnts.





Mein dmexco-Fazit: Die Messestände waren naja und die Speaker & Co. top!

Sonntag, 31. Juli 2011

Relevanz + Qualität + Nächstenliebe | Gedanken nach einem „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“

Prolog

Aufgrund einer biographischen Entscheidung meinerseits wagte ich mich am 01. August 2010 auf ein „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“. Das schwarze Loch des Ehrenamts sog mich immer mehr in sich hinein. Ob das bewusst und unterbewusst geschah, lässt sich rückblickend nur noch sehr schwer rekonstruieren. Nur soviel: Die "Arbeit" fiel an und musste damals gemacht werden und oft war ich es, der diese erledigte und die Nachfrage nach meiner Art, die Sachen - zum Teil kostenneutral - anzupacken, stieg stetig.

Knackpunkt für mich war der Abschluss meiner Ausbildung als Prädikant. Von mir liturgisch vorbereitet und mit-gestaltete Gottesdienste erfuhren positive Resonanz - mich erstaunte das Feedback und die Wirkung. Es sollte auch hier bitte schön mehr werden - ehrenamtlich!?

Für viele Arbeitsgebiete in der „Struktur“ Kirche gibt es bezahlte Arbeitskräfte, die Leistungen erbringen sollen, die weit über dem in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten stehen. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ - fällt mir als Sprichwort ein. Tue das, was Du gelernt hast; beschränke Dich auf die Dinge, die Du schon immer gemacht hast und mit denen Du Dich auskennst. Nun hat der „Schuster“ (mir ist leider keine weibliche Bezeichnung bekannt) sich auch noch um Haushaltspläne, der Versammlungsstättenverordnung, Vertragsrecht und/ oder Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern. Er versucht, scheitert und sammelt kleine Erfolgserlebnisse - plus: da ist ja noch seine eigentliche Arbeit als Seelsorger(in), Pfarrer(in) oder Gemeindediakon(in).

Ich habe einige wenige Kenntnisse vom „Schustern“, bin allerdings in anderen Dingen ausgebildet bzw. bringe berufliche Erfahrung mit. Aber: Es war bis heute kein hauptamtlicher Platz frei in der „Struktur“ Kirche für einen in seinem Arbeitsgebiet professionell handelnden Produzenten wie mich. Die Flexibilität der „Struktur“ war - Stand damals - gleich null und wurde immer mit Budgetmangel begründet: „Es ist kein Geld da!“

Schuster, Schreiner und Bibliothekare blieben im Amt und kassierten ihren Lohn inkl. Qualitätsansprüchen von gestern. Beispiel Öffentlichkeitsarbeit: Bitte auf analogem Papier, als verstaubter Schaukasten und mit Webaktivitäten auf Sparflamme. Die Qualitätsansprüche konnte man den Hauptamtlichen nicht vorwerfen, da a) der Wunsch der kirchlichen Gremien Berücksichtigung fand und b) alle „Schuster“ eigentlich für etwas anderes ausgebildet wurden.

Meine innere Konfliktlinie verlief wie folgt: Ich sollte doch bitte weiter machen mit meiner qualitativ hochwertigen und "preiswerten" Arbeit, bezahlte Arbeitskräfte so entlasten und mich in Demut bemühen. Das damalige Pensum war enorm und bot wenig Zeitkorridore, um bezahlter Arbeit nachgehen zu können. Somit zog ich im vergangenen Jahr die Reißleine!

Relevanz

Das Sabbatjahr begann. All mein ehrenamtliches Engagement wollte ich für genau ein Jahr ruhen lassen - Ende Januar 2011 trat ich vorzeitig von allen Ehrenämtern (Bezirkskirchenrat, Bezirkssynode u.a.) zurück. Meinen Gottesdienstbesuch wollte ich einschränken und so mir terminliche Freiheit verordnen. Selbstbestimmte Freiheit, an die ich mich erst wieder gewöhnen musste.

In den ersten Wochen machte ich eine außergewöhnliche Erfahrung: Niemand aus der Gemeinde suchte den aktiven Kontakt. Das Gleichnis vom „verlorenen Schaf“, das vom Hirten gesucht wurde, ging nicht Erfüllung. Auch mein Telefon, das vor dem Sabbatjahr verwendet wurde, um mich um die Erledigung des einen oder anderen Jobs zu bitten, blieb still. Geriet ich in Vergessenheit? The show must go on? Ulli ist zu teuer? Ersetzbar? Diese Gedanken beschäftigten mich damals und zum Teil auch noch heute.

Durch meinen Vater erfuhr ich, dass sich mit der Zeit einige nach mir erkundigten. Aber nicht bei mir auf direktem Weg, sondern über mehrere Ecken. Es geisterte sogar das Gerücht durch Weinheim, ich wäre aus der Kirche ausgetreten...

Sind wir als „Kirche“ zu sehr mit der Synchronisierung unserer Terminkalender beschäftigt? Beschränken wir unser christliches Wirken zu sehr in Gottesdiensten, Gremien, Gruppen und Kreisen? Wann haben wir einmal Zeit für uns und wann Zeit für Andere? Andere, die uns „außerhalb“ unserer Kalender begegnen?

Durch den direkten Nicht-Kontakt verschwand für mich die Relevanz von „Kirche“ immer mehr aus meinem Alltag - aber nicht die Relevanz von Gott. Durch meine beruflichen Aktivitäten als „Schäfchen“ unter „Sehr-Kirchenfernen“ und Atheisten war mir mein Glaube eine Stütze und ein Halt. Ich hatte auf einmal Zeit, mich diesen „Anderen“ sehr intensiv widmen zu können. Das waren zum Teil sehr schöne und auch mal schmerzhafte Erfahrungen. Aber sie waren nötig - für mich und für mein Gegenüber.

Qualität

Ende Oktober 2010 meldete sich die Gemeinde bei mir mit einer Einladung zum Mitarbeiterfest. Zum Mitarbeiterfest werden alle ehrenamtlich Aktiven eingeladen und sich auf diesem Wege für deren Engagement bedankt. Eine Art institutionalisierte Anerkennung, einmal pro Jahr!

Die Nicht-Qualität der Einladung schockierte mich: Die Straße war auf dem Kuvert durchgestrichen und mit Hand ergänzt und aus „Lieber Ulli“ in der Anrede wurde im Brief ein „Sie“. Die Einladung hatte eine Funktion zu erfüllen, aber persönliche Wahrnehmung des Anderen sah für mich anders aus. Es war z.B. bekannt, dass ich keinen Alkohol trinke. Mich auf das Programmangebot „Weinprobe“ hinzuweisen, motivierte mich, der Veranstaltung schlussendlich fernzubleiben.

Ein kurze Exkursion in meine Lebenswelt: Durch facebook, twitter & Co. sind alle dort online Aktiven in Beziehungsnetzwerken verwoben. Das Interesse für den/ die Gegenüber steht über allem. Man zeigt seine Bereitschaft, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Dies beinhaltet u.a. aktives Zuhören und ein aktives Interesse für den/ die Gegenüber. Die Zeit vom 01. August bis Ende Oktober 2010 war zwischen der „Struktur“ Kirche und mir geprägt vom gegenseitigen Ignorieren und dem gegenseitigen Nicht-Interesse. Somit kam die Einladung zum Mitarbeiterfest in dieser Form für mich sehr unwillkommen - auch wenn sie gut gemeint war. Aber die Beziehung hatte in der ersten Phase des Sabbatjahres stark gelitten und konnte für mich nicht durch ein „Fest“ gekittet werden.

Warum war das so? Ich fing an, mich mit diesem Umstand zu beschäftigen.

Nächstenliebe

Das heutige Zwischenfazit meiner Überlegungen: Wir benötigen eine neue Qualität der Definition unserer Beziehungen, der gegenseitigen Anerkennung - und somit der Nächstenliebe. Das betrifft uns Alle in der gesamten badischen Landeskirche. Wir dürfen gerne am Geld sparen, aber nicht an Nächstenliebe. Das wäre nicht mit dem Kern von Kirche vereinbar. Niemand ist ersetzbar und sollte mit diesem Gefühl abends ins Bett gehen müssen.

Was ist zu tun?

Wir erneuern das Gemeinsame und unterbinden das strukturell gepflegte Verschanzen in von Terminkalendern bestimmten „Ghettos“ (Gottesdiensten, Gremien, Gruppen etc.).

Wir erlernen wieder das Zuhören und Helfen. In den Gesprächen präsent sein ‐ und nicht geistig abwesend ‐ wird hier ein Schlüssel sein. So wie es Christus in seinem Wirken vorgemacht hat: Jesus ging auf Leute zu oder besuchte sie in ihrem Haus und kümmerte sich um Menschen, die zu ihm kamen, zu ihm gebracht wurden oder auf seinem Weg auf ihn warteten - selbstlos und unvoreingenommen.

Wir überprüfen die Fülle an Terminen, die unsere Kalender verstopfen und finden Qualitätskriterien für die Termine, die wir ausmachen oder dann auch einmal ausfallen lassen können. So entstehen terminliche Lücken, die wir unseren „Nächsten“ schenken können.

Dankender Weise wurde ich vom „Zentrum für Kommunikation“ des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe mit dem Aufbau der landeskirchlichen facebook-Seite betraut und versuche seitdem, diesen neuen Geist häppchenweise via facebook unter‘s Volk zu bringen. Facebook bietet sich als Plattform hervorragend an, diese neue Kultur des Miteinanders einzuüben und pflegen. Wir sind allerdings erst am Anfang...

Epilog

Vielleicht ist das mein Platz in der „Struktur“: Ich begegne allen Schustern, Schreinern und Bibliothekaren als „Schäfchen“. Ein „Schäfchen", das für Chancen des Zeitgeistes wirbt und Freiräume findet, die es den „Hauptamtlichen“ ermöglicht, ihren eigentlichen „Job“ auszuüben?

P.S. Allerdings auf Rechnung! Deren jeweilige Höhe sich an der Rechtsverordnung über die Zahlung von Honoraren im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden orientiert.

Montag, 25. Juli 2011

Zeitalter des Netzwerken - Das Miteinander steht im Vordergrund der neuen Medienwelt

Sie sind mit Papier in Form von Flyern und Zeitungen aufgewachsen? Das Fernsehen hatte maximal drei Programme zur Auswahl? Dann bitte weiterlesen.

Ich habe eine ganz große Bitte: Imitieren Sie nicht mehr die jahrzehntelang gewohnte Medienbenutzung nach der Einführung eines jeden neuen Mediums. Die eigene Medienbenutzung sollte sich den neuen medialen Gegebenheiten anpassen. Das Verlinken der Pressemitteilung bei facebook wäre eine solche Imitation - es kommt ja schließlich auch nicht die Tageszeitung per FAX auf Ihren Frühstückstisch. Bitte keinen alten Wein in neuen Schläuchen, sondern neuer Wein in neuen Schläuchen!

Während Sie jetzt darüber nachdenken, ob Sie sich auf das Neue einlassen, dreht sich die Medienwelt einige Male um die Sonne - in die andere Richtung als die Ihnen vertraute. Also ganz schnell den Kopf aus dem Sand, die eigene Einstellung einer Metamorphose unterziehen und die Potenziale der neuen Medienwelt für sich und seine Anliegen nutzen.

Vorab eine schlechte Nachrichten für geborene Einzelkämpfer. Einzelkämpfer gehören der Ära der "biografischen Unfälle" - Quelle: Prof. Dr. Peter Kurse - an und sterben aus. Geniale Individuen werden es im Zeitalter des Netzwerkens sehr schwer haben, sich Gehör zu verschaffen.

Die gute Nachricht: Das "Schlecht-über-Andere-reden" ist vorbei. Die große Internetgemeinde hilft einander aus und steht einander bei. Die Hackordnung verschwindet. Grenzen fallen. Was unüberbrückbar schien, ist gemeinsam lösbar. Das Miteinander steht im Vordergrund der neuen Medienwelt. Wir kommunizieren auf Augenhöhe - egal, ob im analogen oder digitalen Dialog.

Das Interesse für den/ die Gegenüber steht über allem. Man zeigt seine Bereitschaft, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Königskronen, Posten und Ämter leiten keinen Anspruch ab. Einzelne sind nicht mehr "Gott", sondern tauchen in unsere Online-Gemeinschaft ein, die gemeinsam Probleme angeht und an der Welt von Morgen mitgestaltet.

Dabei dürfen mentale Barrieren gerne verschwinden. Die Wurzeln unseres Seins und Schaffens wollen wir nicht ignorieren, sondern sie sind Teil der Indentität eines Jedens/ einer Jeden. Gemeinsam lernen wir, uns in der neuen Welt zurechtzufinden. Wir fallen gelegentlich hin und lassen uns aufhelfen. Vielleicht ließe sich mit dieser Strategie das Kino, die Kirche, der Mittelstand, das öffentlich-rechtliche Fernsehen oder die Politik für den Zeitgeist des Netzwerkens begeistern?

Wer gehört weltweit zu welchem Social Network?

Facebook stößt an Grenzen: Brasilien, China und Russland haben ihre eigenen Social Networks. Afrika hinkt etwas hinterher...

World Map of Social Networks

Montag, 4. Juli 2011

Realisierung einer Tourismus-Webvideo-Werbung-Idee

Im Zuge des weltweiten Siegeszuges des Internets wird und muss sich auch die Werbung im Bereich "Tourismus" wandeln. Mein letzter Paris-Aufenthalt inspirierte mich zu folgendem Gedankengang: Jede und jeder kann über das Internet, die Welt zu sich einladen! Nur wie? Mit Webvideos!

Nehmen wir einmal an, ich sitze als potentielle(r) Tourist(in) zu Hause an meinem Computer und informiere mich via Google und YouTube über mein Reiseziel. Ich gebe das Reiseziel und mein Anliegen in meiner Muttersprache ein und werde fündig - wow!

Wechsel der Perspektive: Ich bin Hotelier und freue mich über jeden in- und ausländischen Gast. Sehr gerne lade ich die Welt zu mir ein. Nur wie?

Der Praxis-Test: Gemeinsam mit dem Hotel Goldener Falke in Heidelberg erprobe ich nun meine Idee in der Praxis und entwickle meine Anfangsidee weiter. In den kommenden Wochen und Monaten werden weitere Filmversionen folgendes Werbefilms folgen:



Lassen wir uns überraschen!

Freitag, 10. Juni 2011

Straßennamen nach neuer oder alter Rechtschreibung?

Ich bin in Weinheim umgezogen und brauche nun neue Visitenkarten mit meiner neuen Anschrift. Gemeinsam mit einigen facebook-Freunden diskutierten wir am gestrigen Tag, ob der Straßenname "Am Schloßberg" nach der alten Rechtschreibung oder nach neuer Rechtschreibung "Am Schlossberg" heißen müsste. Am Briefkasten und auf Straßenschildern ist die alte Rechtschreibung zu finden.

Warum (noch) nicht die neue Schreibweise mit ss nach kurzem Vokal? Ein Anruf beim amtlichen Straßennamen-Beauftragten der Stadt Weinheim, Hr. Nufer, brachte Aufklärung:

Bei der Benennung der Straße vor langer, langer Zeit gab es einen Gemeinderatsbeschluss, dem die Schreibweise nach der damals gültigen Rechtschreibung zu Grunde lag. Diese Benennung hat weiterhin Gültigkeit! Um alle Weinheimer Straßen auf neue Rechtschreibung anzupassen, bräuchte es einen neuen Gemeinderatsbeschluss. Juristisch gesehen, würde man die Straße "umbenennen" - auch wenn nur die Buchstaben neu sortiert würden.

Der Beschluss würde dann auch eine Neubeschilderung der Straßen beinhalten. Das kostet Geld - und hier sieht die Stadt Weinheim plus Gemeinderat sich z.Zt. anderen finanziellen Herausforderungen gegenüber.

Was heißt das nun für mein Visitenkarten-Dilemma: Ich gehe davon aus, dass es in den kommenden Monaten zu einem Beschluss des Gemeinderats kommen könnte (Wer stellt den Antrag?) und werde mich nun für die neue Schreibweise entscheiden.

Sonntag, 8. Mai 2011

Das 3D-Dilemma - 3D bald tot?

Meine Eindrücke vom Kurzbesuch auf der #fmx2011 in Stuttgart waren in diesem Jahr geprägt von drei Überschriften: Politik, Digitalisierung und 3D.

1. Politik
"It's all about politics!" - diesen Eindruck vermittelte Jeffrey A. Okun in seinem Talk sehr deutlich. Das Management der kreativen Entscheidungsfindung zwischen den ganzen Entscheidungsfindungsebenen kann sehr viel Zeit, Kraft und Budget auffressen. Er erzählte, dass in jeder Hollywood-Produktion diese "political dilemmas" auftauchen: "Nothing goes ideal - challenges everywhere!". Im Optimalfall nutzen die ganzen Schikanen dem fertigen Film. Dass sei dann der Fall, wenn jedes Mitglied, sich als Teil einer Problem-Lösungs-Crew sehen würde.

2. Digitalisierung
Mancher US-Regisseur wundert sich, dass immer mehr "Kinder mit Laptops auf dem Set rumlaufen!" - diese sind nötig, da der Produktionsablauf (fast) komplett digital geworden ist und somit das Arbeiten am Set sich rasant verändert hat. Als Nächstes steht nun die "Cloud" im Fokus, d.h. es lässt sich Infrastruktur "on-demand" hinzubuchen, weltweit besser Kooperieren und ein mobiles Arbeiten am Set - z.B. via iPad - wird so ermöglicht. Die ganze Entwicklung begleitet die "The Previsualization Society - Previs Society" - sie berät die großen Studios bei den anstehenden Entwicklungen.

3. Das 3D-Dilemma
In einem Vortrag wurde Walter Murch zitiert, der sinngemäß gesagt haben soll: "3D ist bald wieder tot, da niemand die Technik beherrscht." Recht hat er: Bei einigen 3D-Einspielungen in Stuttgart war der Umgang mit der Technik nicht immer sehr souverän. Einzelne Ingenieure verdeutlichten mit Schaubildern und Grafiken das theoretische Funktionieren von "Stereoskopie" - schon beim Augenabstand jedes einzelnen Menschen kommt jedoch eine unkalkulierbare Konstante ins Spiel (über die Probleme in den Kinos werde ich nicht erneut eingehen!). Somit bleibt 3D eine theoretisch mögliche Projektionstechnik. Ob sie dieses Kinojahr im großen Stil überlebt - wir werden sehen!

Was nehme ich mit? Bei allen technischen Neuerungen und Möglichkeiten waren sich Alle sicher: Die Story ist das wichtigste Element in jedem Film. Auch, wenn neue Orte besucht werden können, bleibt die Drehbuchentwicklung wichtigster Baustein im ganzen Produktionsprozesses. Dem stimme ich zu!

Samstag, 23. April 2011

Wie könnten die ersten Schritte im Web aussehen?

In der heutigen Zeit ist für ein Unternehmen, Verein oder Initiative Öffentlichkeitsarbeit ohne eigene Webpräsenz nicht mehr denkbar. Doch nicht jeder Trend, jedes Tool oder jeder Dienst, der im Web angeboten wird, macht zu Beginn des Web-Engagements Sinn. Wie könnten die ersten Schritte im Web aussehen?
  1. Definieren sie ihre Zielgruppe und stellen sie Inhalte zusammen, mit denen sie die Zielgruppe in regelmäßigen Abständen via Web versorgen wollen - aber Vorsicht: das Internet hat nie Redaktionsschluss. Planen sie zum Erstellen der Inhalte das nötige Zeitbudget in ihren Tagesablauf ein,
  2. sollten sie eine eigene Website erstellen (lassen), denken sie bitte an die sogenannte Suchmaschinenoptimierung: Google zeigt ihnen in einer Einführung wie es geht. Diese Arbeit ist wichtige, da viele ihrer User über Google & Co. bei ihnen landen werden,
  3. nutzen sie weitere kostenlose Dienste von Google: Google Analytics (zum Analysieren der Zugriffszahlen auf ihre Website), Google Alerts (hier bekommen sie per eMail eine Meldung, wenn im Internet zu ihrem Unternehmen etc. "gesprochen" wird), Google Maps und Google Street View (damit sie in den lokalen Karten/ im Branchenverzeichnis erscheinen),
  4. in einem nächsten Schritt sollten sie sich mit "Social Media" beschäftigen: auf Facebook können sie eine Fangemeinde aufbauen, mit Twitter können sie Kurznachrichten versenden, in einem eigenen Blog ein Tagebuch führen, bei YouTube einen eigenen Web-TV-Kanal eröffnen - alle diese Dienste sind kostenlos,
  5. am Ende heißt es über das Web seine Beziehungsnetzwerk zu pflegen und auszubauen. Einen Dialog anstoßen, um so Feedback und Anregungen zur Verbesserung seiner eigenen Dienstleistung zu erhalten.
"Learning by doing" heißt die Devise - seien sie mutig.

"One map at a time" (Patrick Meier) - re:publica XI

Der letzte Vortrag im Friedrichstadtpalast war ein weiteres positives Beispiel einer nicht-deutschen Web-Inititative (mehr zu dieser Problematik in meinem re:publica-Fazit), wie man mit dem Internet die Welt ein klein wenig besser machen kann.

Patrick Meier stellte sein Projekt ushahidi.com vor.


ushahidi.com ist eine "Live-Mapping-Plattform". Im Fall einer Krise oder Naturkatastrophe erreichen die Macher Daten über verschiedene Medienkanäle (SMS, flickr, eMail, YouTube, twitter, skype, facebook, den tradtionellen Medien etc.). Diese werden schließlich zeitnah in eine große Gesamtkarte übertragen, die schließlich von Hilfsorganisationen für ihre Arbeit genutzt werden kann.

Das Beispiel Haiti hat sehr gut gezeigt, wie die Plattform funktioniert: Per SMS-Kurzwahl 4636 haben viele Freiwillige mit dem Erfassen der Lage begonnen. Die Bekanntmachung des Dienstes wurde über Radiostationen verbreitet. So konnten Hilferufe via SMS auf der Landkarte verortet und Hilfe geschickt werden.

In Libyen rief erstmals auch die UN via Tweet zum Mitmachen in Sachen "Live-Mapping" auf. Was erstaunliche ist, da große Institution sich nur sehr zögerlich der Web-2.0-Bewegung anschließen.

Wer macht die ganze Arbeit im Hintergrund? Viele Ehrenamtliche weltweit, die in der "standyby volunteers task force" organisiert sind. Das sind über 500 Personen, die nach einer Schulungen "die Welt von ihrem Laptop aus verändern." - Mitmachen erwünscht: join@standbytaskforce.com bzw. http://download.ushahidi.com.

Auch in Tunesien, Ägypten etc. war Social Media inkl. "Live-Mapping" fest verankert in der politischen Bewegung: "We use facebook to schedule protests, twitter to coordinate and youtube to tell the world." - Der ägyptische Widerstand koordinierte über diese Webdienste seine Arbeit inkl. das virale Verbreiten von Routen, die die Protestbewegung gehen sollten.

Wie geht es weiter mit ushahidi.com? Der Dienst soll weiterentwickelt werden. Es soll u.a. die Check-in-Funktion von foursquare, gowalla und facebook integriert werden, um mit noch mehr Daten ein noch präziseres Abbild der Realität zu erhalten - Datenschützer freut Euch!

Patrick Meier beendete seinen Vortrag mit den Worten: "For every event radio is the sound, tv is the image and mapping the location." - wir werden sehen!?

P.S. Nur so am Rande: Kein Live-Mapping, aber auch nicht schlecht: http://www.mundraub.org

"Cameras everywhere" (Sam Gregory) - re:publica XI

Dies war eine der Sessions, die mir wie eine Wundertüte daher kam. Eigentlich ging ich an diesem Tag mit einer vielleicht zu deutschen Mentalität in die Session: Meine Erwartungen gingen eher in Richtung Videoüberwachung und Überwachungsstaat. Aber nein - es ging darum, wie man durch Webvideos die Welt transparenter und so ein Stück besser machen kann.

Das Motto von "Witness" lautet: "See it. Film it. Change it. Using video to open the eyes of the world to human rights violations." - die Organisation bietet die Infrastruktur und das Know-How, um mit Videokameras Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.

In der heutigen medialen Zeit sind "Events" auch im Kleinen möglich. Der Anlass mag ein unschöner sein und das Gezeigte oft nicht familienfreundlich. Fern ab jeden Quotenkampfs werden weltweit die Gräueltaten des menschlichen Miteinanders - oft unter Einsatz des Lebens - von Reportern dokumentiert.

Welche Formate gibt es unter den sogenannten "Human Rights Videos"?
  • Foltervideos, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit entstanden sind und im Nachhinein veröffentlicht werden,
  • Rekrutierungsvideos zum Anwerben von Kindersoldaten etc.,
  • Verbrennungsvideos,
  • Remixvideos: schreckliche Bildern hinterlegt mit emotionaler Musik.
So gibt es weltweit viele Orte, an denen die Reporter im Einsatz sind. Die Tatsache, dass die große Weltöffentlichkeit Bilder erst erreichten, wenn die "traditionellen" Medien darüber berichteten, scheint durch Tunesien, Ägypten & Co. zu kippen. Sam Gregory konnte sehr gut zeigen, dass alle "drei YouTube-Producer-Typen" (meine Bezeichnung!) in Ägypten im Einsatz waren und jeder Producer seine Bilder produzierte und der Welt so das mediale Fenster öffnete.

Ägypten hat gezeigt, dass der mediale Druck auf Entscheidungsträger im Großen funktionieren kann. Bleibt zu hoffen, dass auch im Kleinen Erfolgserlebnisse nicht ausbleiben.

"Diaspora Backstage" (Maxwell Salzberg) - re:publica XI

Die Story hinter "Diaspora" ist schnell erzählt. Einige Geeks rund um Maxwell Salzberg entwickeln in einem Open-Source-Projekt einen "besseren Weg zum Teilen der Daten via Social Media". Die Idee war schnell geboren, die Finanzierung ließ sich via Crowdfunding stemmen (Kickstarter.com berichtet in seinem Blog darüber!).

Worum ging es dann in dem Vortrag? Über zehn Punkte, die Maxwell Salzberg im Rahmen des Projektes gelernt hat und die wir für unsere Projekte anwenden können:
  1. find something you love. do that.
  2. start with the simplest thing that work. start with a solution that works. don't be afraid to try something 'dump'.
  3. make stuff that reflects the world you want to live in.
  4. you already know the best people you will ever met.
  5. ideas are dime a dozen. give one away and think of ten more. the best idea you ever had is the one your friends are also excited about.
  6. release early and often.
  7. have fun with what you are doing.
  8. the way to make awesome stuff: don't go out on fridays night.
  9. share the love! - to inspire people.
  10. you can't be afraid to fail.

Freitag, 22. April 2011

"Zeigen Sie den Anderen das Licht" (Gunter Dueck) - re:publica XI

Der Höhepunkt der "re:publica XI" - Gunter Dueck spricht es aus: Wir stehen in Deutschland vor großen Herausforderungen - mit dem "Internet als Gesellschaftsbetriebssystem"! Erst anschauen, dann weiterlesen:



Ich möchte auf folgende Aspekte seines Vortrags eingehen:

Die Theorie mit dem Menschenbild X und dem Menschenbild Y hat mich sehr überrascht. Ja - wir sind in Deutschland eine vom Menschenbild X geprägte Gesellschaft. Das war nicht immer so! In der Nachkriegszeit galt es viel aufzubauen - hier wurde viel Energie in den Aufbau unserer Gesellschaft investiert. Warum hat das nachgelassen? Viel wichtiger: Was muss getan werden, um wieder zurückzusteuern?

Der mentale Wille zur Professionalität vermisse ich sehr stark in meinem persönlichen Umfeld. Professionalität im Sinne von: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Teamfähigkeit, Menschen überzeugen und führen können, der Wille zur Vernetzung und seine Fähigkeiten zu optimieren. Mein Eindruck ist, dass bei der Arbeit sehr viel auf eigene Bequemlichkeit und nicht Kundenzufriedenheit als höchstes professionelles Ziel geachtet wird. Das schadet nicht nur dem Qualitätssiegel "Made in Germany", sondern manifestiert das Menschenbild X mehr und mehr!

Und somit stellt sich für Existenzgründer/innen die Frage aller Fragen: Bleibt mein Beruf, meine Dienstleistung nach der Reorganisation der Arbeit noch übrig? Professionalität setzt genau hier an: Ich muss im Rahmen eines stetigen Prozesses verstehen wollen, was meine Kunden wollen. Und die Nachfrage muss ich dann wirklich bedienen "können" und nicht mehr nur theoretisch wissen. Denn: "Was können Sie einem Menschen noch beibringen, der zwei Stunden gesurft hat?"

Die Aufforderung, meine Mitmenschen in Platons Höhle das Licht zu zeigen und nicht weiter ins Licht zu gehen ("nicht 3.0!"), werde ich mir zu Herzen nehmen! Ich werde weiterhin in Workshops den "normalen" Menschen das Web 2.0 nahebringen - mit meinem eigenen professionellen Anspruch, in den Workshops die Sprache der "Normalen" zu sprechen. Vielleicht ist das meine Möglichkeit, den Prozess der "Willensbildung" zu fördern?

"Facebook Revolution" (Zahi Alawi) - re:publica XI

Die ganze Welt schielte mit einem Auge immer wieder nach Nord-Afrika und Nahost und verfolgt dort den Prozess des politischen Wandels und den Einfluss von facebook & Co. Der Journalist Zahi Alawi teilte mit uns seine Eindrücke.

IRAN
  • Erste Blogger/innen wurden in Iran nicht als gefährlich durch das damalige Regime angesehen,
  • online sind im Iran diejenigen, die sich das Web finanziell leisten können. Somit gehören die Meinungsmacher/innen in Arabien zur Schicht der Studierten und Gebildeten.
TUNESIEN
  • Wo alles begann! Und zwar so: Ein arbeitsloser Tunesier wollte, um Geld zu verdienen, auf einem belebten Platz Gemüse von einem kleinen Wagen aus verkaufen. Die tunesische Polizei verbot ihm dies. Der Mann sah keine Hoffnung mehr seine Familie ernähren zu können und verbrannte sich öffentlich. - Dies war der Impuls, der das Fass zum überlaufen brachte und die Welle lostrat,
  • das Internet wurde ein Fenster zur Meinungsäußerung, ein Ort zum Organisieren und zum Transportieren der Revolution,
  • der Weg hin zur Demokratie ist ein langer Prozess und dauert nach der Einschätzung von Zahi Alawi sicher eine Generation.
SYRIEN
  • In Syrien ist z.Zt. eine Revolution (fast) ohne Internet im Gange.
LIBYEN
  • Hier wurde vom Westen der falsche Weg eingeschlagen - ein zweites Irak droht. In einer "Digitalen Revolution" sollte es die Bevölkerung von alleine schaffen. Die Libyer wissen selbst, was sie brauchen und was sie wollen.
Sein Fazit: Facebook und Co. haben den politischen Prozess beschleunigt. Sie sind aber nicht der Grund für die Revolution.

"The internet of elsewhere" (Cyrus Farivar) - re:publica XI

Dies war einer der Vorträge, der mich echt überrascht hat. Auch wenn der Eindruck entstehen konnte, dass es sich um eine Buchpräsentation zum gleichnamigen Buch hätte handeln könnte, wurde ich eines besseren belehrt.

In einer Stunde entführte uns Cyrus Farivar auf eine mentale Reise in vier Länder dieser Erde. Vier Länder und die Geschichte des Internets dort - sehr beindruckend! Begeben wir uns ein zweites Mal auf diese Reise des "Internet of elsewhere":

SÜD-KOREA
  • Süd-Korea hat das schnellste und günstigstes Breitband-Internet,
  • 1980ern begann der politisch gewollte Aufbau des Internets - mit der Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Vorteil,
  • der Kopf hinter all dem war Professor Chon, der sehr früh den Web-Nachwuchs von Morgen interdisziplinär ausbildete,
  • diese Web-Entrepreneurs gestalten heute die Online-Geschicke von Süd-Korea.
SENEGAL
  • Schon sehr früh wurden Anstrengungen unternommen, die Gesellschaft "online" zu bekommen, aber irgendwie fasste das Web nicht so richtig Fuß,
  • die Infrastruktur ist nicht das Problem: Viele der Datenkabel, die den Kontinent Afrika mit dem www verbinden, liegen direkt vor der Küste Senegals,
  • bis heute liegt die Internet-Penetration bei mageren ca. 14%,
  • die Gründe: eine mangelnde Bildung der Bevölkerung, in der nur wenige wirklich lesen können. Wirtschaftliche Aktivitäten halten sich aufgrund des Bildungsnotstandes somit auch in Grenzen und das Internet dümpelt vor sich hin.
ESTLAND
  • Ein Paradies für Geeks: Freies Wi-Fi überall! Durch das Projekt "Tiigrihüpe (Tiger's Leap)" der estnischen Regierung wurde das Land fit gemacht: Stand heute: 1141 WiFi-Hotspots über das ganze Land verteilt,
  • Gründe für den fortschrittlichen Geist der Esten liegt in der Zeit der UdSSR: Die Sowjets ließen dort viel forschen und gründeten viele Institute, die nach der Wende zum Teil noch existieren: Skype wurde z.B. in Estland entwickelt,
  • und es geht weiter: Erste e-Government-Versuche mit Online-Voting und elektronischer Pass wurden in Estland durchgeführt,
  • nach einigen heftigen Hacker-Attacken wurde das ccdcoe gegründet, eine Art Verteidigungsministerium für das Internet,
  • neueste Entwicklungen: Das Handy/ Smartphone wird auf jede Bürgerin und jeden Bürger personalisiert. Somit kann man mobil wählen oder shoppen gehen.
IRAN
  • Iran hat mit 30% die höchste Web-Penetration in der ganzen Region,
  • das Vorgänger-Regime förderte das Bloggen,
  • im weltweiten Vergleich liegen die persischen Blog der Menge nach auf Rang 3,
  • nach einer Welle des Aufbruchs, steuert das religiöse System seit einigen Jahren nun massiv dagegen - hierzu ein Tweet in Zuge der gescheiterten grünen Revolution: "god is with us. do you filtering him too?"

"Trollforschung – inkl. Startrant" (Sascha Lobo) - re:publica XI

Ich selbst habe das Referat von Sascha Lobo "Jüngste Erkenntnisse der Trollforschung" live leider verpasst - zum Glück gibt es ja das Internet und so erhält man eine zweite Chance.

Zu den ersten 12 Minuten von mir nur soviel: RECHT HAT ER!!! Vom zweiten Teil bleibt bei mir hängen, dass massives "trollen" im Web nicht Alles sein kann und sein muss. Und: Es geht nicht ohne Trolle - somit lasst uns die Online-Pubertät verlassen und gemeinsam das Offline-Leben mitgestalten!

"Visueller Datenjournalismus" (Christina Elmer) - re:publica XI

Was es für digitale Nischen-Jobs gibt, erfuhr ich beim Vortrag von Christina Elmer zum Thema "Wie Journalisten Daten finden und sicher nutzen". Anbei einige Einblicke in das Leben einer "Visuellen Datenjournalistin".

Anhand einer Visualisierung von Datensätzen kann man der Trockenheit von Statistik entgegenwirken und die Datensätze journalistisch nutzen. Die klassischen Stabdiagramme an den Wahlabenden inkl. Sitzverteilungen in den Parlamenten sind hier nur die Spitze des journalistischen Eisbergs.

Vielmehr geht es darum durch Übersichtskarten, z.B. Kriminalstatistik in Landkreises, eine rasche visuelle Übersicht zu generieren. Schließlich lassen sich anhand der Daten Geschichten entdecken, die journalistisch aufgearbeitet werden können.

Wie geht man dabei vor?
  1. Der erste Schritt ist die Beschaffung und das Aufspüren von Daten. Um die Daten weiterverarbeiten zu können, müssen sie meist gescrapt, gescannt oder/und konvertiert werden. Je nach Datenquelle könnte es auch ein per-Hand-eingeben werden,
  2. Datenquellen können Tabellen und Datenbanken sein, die man via Google sucht (listen or tabellen or datenbanken, formate filetype:xls / pdf / mdb) oder via direktem Kontakt von Behörden, Ämtern oder NGOs erhält. Beim Kontakt mit den Datenlieferanten sollte man die in der jeweiligen Branche gängigen Termini und Amtscodes kennen und verwenden,
  3. die Informationsfreiheitsgesetze, die in fast allen Bundesländern gelten (mins fünf), regelt die Weitergabe der Daten durch die Behörden und Ämter - theoretisch! Überregionale Webdienste sind: regionalstatistik.de und die Website des statistischen Bundesamts,
  4. mit Hilfe von Excel (Tabellenkalkulation) oder Gephi (Netzwerk-Darstellung) kann schließlich die Geschichte der Daten offenbart und weiter recherchiert werden.
Mit zwei Beispielen beendete Christina Elmer ihren Vortrag: Die Belegungsquote in deutschen Gefängnissen (nach Bundesländer sortiert) und die prozentuale Verteilung der Teilnehmenden des Berlin-Marathons nach Landkreisen.

"Medienkompetenz - was soll das?" (Jürgen Ertelt) - re:publica XI

Als ein "Anwalt der Medienkompetenz" war diese Veranstaltung ein "Muss" für mich. Jürgen Ertelt vom Projekt JugendOnline.eu fasste den aktuellen Stand der Dinge wunderbar zusammen.

Das komplette Webvideo des Vortrags zum Anschauen:

Quelle: http://vimeo.com/22396466

Die interaktive Präsentation ist abrufbar unter http://popplet.com/app/#/17303.

P.S. Die SPD scheint den Absatz aus ihrem Parteiprogramm gestrichen zu haben - konnte ihn nicht mehr finden!

"Modern Revolutions are Digital Revolutions" (Connecting Africa) - re:publica XI

Mehrere Panels auf der "re:publica XI" beschäftigten sich mit dem Thema Web-Revolution(en) in Afrika. Aber nicht nur der Norden wurde beleuchtet - auch Problemstellungen auf dem gesamten Kontinent im Kontext Vernetzung, Internet und Infrastruktur.

Amira Al Hussaini, Claire Ulrich, Ludger Schadomsky und Geraldine de Bastion teilten mit dem Publikum ihre Erfahrungen - erstaunliche Informationen aus erster Hand:
  • In Äthopien gibt es - auf die Gesamtbevölkerung gerechnet - lediglich 0,4% Internet-Penetration. Die Macht-Elite verschleppt bewusst Investitionen in die Web-Infrastruktur und überwacht Internet-Cafés = Machterhalt 1.0,
  • in Kamerun ist im Wahlkampf das System der Mini-Korruption gängige Praxis, d.h. potentielle Wähler/innen erhalten Bargeld und verticken als Gegenzug die Handynummern ihrer gespeicherten Kontakte. Es wird schließlich eine fingierte Wahlempfehlung via SMS im Namen des "Freundes" versendet,
  • Social Media verbindet Afrika endlich zu einem Kontinent: Die Sprachbarriere fällt und der grenzüberschreitende Dialog beginnt. Das gleiche Schicksal (Diktaturen, Armut etc.) verbindet und bietet die gemeinsame Grundlage für das "Wir". Es entsteht ein länderübergreifender Support via Web - z.B. im Rahmen der Revolution(en) in Afrika. Zitat: "Erst waren WIR alle Tunesier, dann Ägypter!"
  • die Vision einer gemeinsamen zivilisierter afrikanischen Gesellschaft ist das, was die Leute antreibt, auf die Straße zu gehen. Ganz anders als das "alte" autarke Stammesdenken vieler Afrikaner/innen.

"Lichtblick 2.0" (Christian Friege) - re:publica XI

Als Partner der "re:publica XI" durfte GF Christian Friege der Lichtblick AG einige Worte an uns richten. Nach Angst-Exposition mit Fukushima & Co. - die Öffentlichkeitsarbeit würde auch ohne dieses Szenario wunderbar funktionieren - kam er dann auch gleich zur Sache.

Anbei seine Thesen zu "Wie Schwärme Marken, Märkte und Machtgefüge verändern":
  1. Märkte sind Gespräche - aber: Viele Unternehmen lassen nicht mit sich reden,
  2. Kunden definieren Marken - und zwar im Web-Gespräch,
  3. wirtschaftlicher Erfolg im Zeitalter 2.0 basiert auf Glaubwürdigkeit - aber: glaubwürdig ist nur, wer Ökonomie und Nachhaltigkeit konsequent verbindet,
  4. parallel zur Demokratisierung durch Web 2.0 demokratisiert sich die Energieerzeugung: Aus Verbrauchern werden Erzeuger (Stichwort: ZuHauseKraftwerk),
  5. intelligentes Energiemanagement ist entscheidend für die Energiewende. Aber Vorsicht: "smart energy" ist heute oft ein Marketing-Gag (Stichwort: greenwashing),
  6. Web 2.0 kann die Energiewende kritisch begleiten - und vor allem: Beschleunigen!
Meine Meinung: Viele Kunden sind (noch) nicht dialogfähig und -willig. Das Web 2.0 ist ihnen fremd. Es liegt nun an uns "Digital Natives", die "Digital Immigrants" an die Hand zu nehmen und sie mit den neuen medialen Möglichkeiten vertraut zu machen.

P.S. Die Mitarbeiter/innen bei Lichtlick dürfen offiziell bloggen: Ich gratuliere!

"Design Thinking" (Philipp Schäfer) - re:publica XI

Albert Einstein sagte einst: "Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben."

Dieses Zitat aus der Keynote zur Eröffnung der "re:publica XI" beschäftigt mich seitdem - meine Gedanken möchte ich hiermit mit Euch teilen!

Philipp Schäfer von ideo.com brachte es auf den Punkt: Design in der heutigen Zeit ist mehr als Grafikdesign. Gegenstände oder Services müssen einer eigenen Logik folgen. Einer Logik, die von der Benutzerin und vom Benutzer her gedacht werden muss und nicht vom Produzenten.

Design ist somit ein Ansatz, Probleme zu lösen. "Design Thinking" benennt den gesamten Findungsprozesses. Probleme können im globalen Kontext stehen (Klimaerwärmung, Armut etc.) oder im häuslichen Kontext (Bedienbarkeit einer Spülmaschine etc.).

Warum wird das Suchen nach Lösungen nun nicht gesamtgesellschaftlich vorangetrieben? Welches sind die größten mentalen Barrieren? Oft findet man sie in Form von Angst oder in Form von kulturellen Gegebenheiten. Die enorme technische Entwicklung scheint einer jeden und einem jeden Ohnmacht zu verleihen.

Was wären die ersten Schritte gegen die Ohnmacht?
  1. Wir müssen lernen die richtigen Fragen zu stellen und nicht Antworten auf ungestellte Fragen präsentieren,
  2. um der Komplexität Herr zu werden, muss das Menschliche im Mittelpunkt eines jeden Lösungsansatzes stehen,
  3. denn nur das, was den menschlichen Ansatz berücksichtigt, wird sich durchsetzen können,
  4. über das Internet sind wir Teil eines Hyperbewusstseins. Probleme der Welt sind somit barrierefrei in einem globalen Ansatz lösbar!
  5. Weltweite Netzwerke zu weltweiten Themen helfen beim Gestalten (designen) von Lösungen.
Philipp Schäfer präsentierte uns zwei Beispiele aus der Praxis: das Human-Centered Design Toolkit und OpenIDEO. Sehr ermutigend - let's go!

P.S. Die komplette Keynote ist anschaubar unter http://vimeo.com/22387957.

Freitag, 15. April 2011

re:publica XI oder die Suche nach dem deutschen Ego

Meine erste re:publica ist rum und einige Eindrücke gilt es nun zu verarbeiten und einzuordnen. Am ersten Tag beschlich mich sehr stark das Gefühl, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer körperlich zwar anwesend waren, aber der Drang eine Verbindung zum Internet herzustellen wichtiger erschien, als den analogen Speakern zu folgen. Das eigentliche Ankommen der Gäste erschien mir somit erst am zweiten Tag der Fall gewesen zu sein, als man aufgrund der Infrastruktur sich mit dem Offline-sein abgefunden hatte.

Für mich stand das Zuhören, das Wirkenlassen und das Einordnen im Mittelpunkt der ersten Hälfte der re:publica. Und ich stellte fest, dass die eigentlichen gedanklichen Impulse nicht von deutschen Speakern kamen, sondern von den Gästen aus der Welt. Die Blogger aus Afrika oder Programmierer aus USA waren mental Champions League - viele deutsche Beiträge eher 2. Liga (leider habe ich Sascha Lobo verpasst.).

Meine zweite Hälfte der re:publica war nun geprägt nach meiner Suche nach dem Warum, der Ursachenforschung für den deutschen Kleingeist. Ich erkannte sehr schnell, dass wir Deutsche im Web sehr stark als Bewertungsrichter/innen auftreten - damit meine ich, dass einer Idee, Initiative, Personen sehr schnell eine emotionalisierende Meinungswelle von leserbriefartigen Kommentaren entgegenschwappt. Der eigentliche Dialog auf Augenhöhe scheint nur vereinzelt stattzufinden.

Es wurde sich mental sehr viel in der Vergangenheit aufgehalten. Vielleicht ist aber diese Art von therapeutischem Analogdialog auch nötig, um sich den Ballast von der Seele zu reden? Oft suchten Teilnehmende von Podiumsdiskussionen eine Bestätigung ihrer eigenen Meinung aus dem Plenum. Leider tauchten Visionen, wie man die Welt mit dem Internet von Deutschland aus verbessern könnte, kaum bis gar nicht auf.

Vielleicht waren sogar Visionäre im Publikum und schützten ihre Vision und ihr Ego vor einer Enttäuschung, weil man davon ausging, dass die anwesende Mehrheit über einen herfallen oder die eigenen Ideen evtl. nicht begreifen könnte?

Neben Medienkompetenz sollten wir ab sofort auch eine Egokompetenz aufbauen. Egokompetenz definiere ich als die Fähigkeit, seine analoge und digitale Identität zu synchronisieren. Da z.Zt. aber eher Egotaktik (Kurzbesuch Renate Künast) vorgelebt und schließlich imitiert wird, steht uns in der Selbstwahrnehmung eines jeden und einer jeden die größte Hürde bevor.

Anstatt an einem gemeinsamen Web-Selbst zu stricken, stand die Tage über die Systemkritik der erwachsenen Offliner im Mittelpunkt, deren Egoverhalten von einigen Teilnehmenden wunderbar imitiert wurde. Körperliche - aber nicht geistige - Präsenz auf der re:publica als Egoprofilierung? - ich hoffe in meinem tieferen Inneren, mich zu täuschen!

Haben wir uns verloren in der Medienwelt? Gibt es sie, die Anker zurück in die Realität?

Ein Weg könnte das Trainieren des eigenen Geistes im Sinne der Aufklärung sein. Ein bewusstes Wahrnehmen der Umwelt und seiner Mitmenschen - ohne eine Technik dazwischen. Keine technische Barrieren im Miteinander, sondern der analoge Kontakt als hohes Gut.

Das Erlernen des kritischen Zuhörens. Das Austauschen von unterschiedlichen eigenen Standpunkten. Das Formulieren einer eigenen Meinung, die man als Anwalt in das analoge und digitale Netzwerk trägt und gemeinsam weiterentwickelt. So würden auch in Deutschland Ideen und Visionen mit einer gewissen Strahlkraft entstehen. Es darf auch den meinungsführenden Webleuchtürmen gerne einmal widersprochen werden.

Netzwerke helfen, um sogar etablierte Institutionen und System zu erziehen und für diese neuen Ideen zu begeistern - der Tweet der UN bzgl. der Krisenkarten von Libyen hat es bewiesen. Diese Systeme sind lernfähig - lasst uns auf diese zugehen und sie einladen zum Dialog!

Auf der kommenden re:publica sollte der Dialog mit der "Entscheidungsträger-Lobby in Anzügen" begonnen werden, um die Binnenkommunikation der Web-Community zu unterbinden. Die Diskussion muss von uns mit dem Mainstream geführt werden, sonst werden wir mit unserem deutschen Nicht-Ego irgendwann von Nordafrika, Indien & Co. als Web-Freigeister überrannt.

+++  Meine Eindrücke habe ich in einzelnen Blogbeiträgen für Sie zusammengefasst. Eine Übersicht finden sie hier. +++

Samstag, 9. April 2011

Gehörst Du zur "Next Generation of Producers"?

"The next generation needs to be more than good writers and good storytellers. As the technology evolves there is a demand for producers who can shott or edit their own material. The more you can bring to the party, the more marketable you will be."

Judy Tygard

Sonntag, 27. März 2011

Vom politisch interessierten Nicht-Wähler (2006) - zum appellierenden Ungültig-Wähler (2011) - zum überparteilichen Netzwerker (2016)

"Es liegt in der Natur des Menschen, vernünftig zu denken und unvernünftig zu handeln."


Mein Briefwahlzettel (2011)

Meine Lebensrealität: Die Welt vernetzt sich. Das Miteinander wird eingeübt. Neue Ideen entstehen im Kollektiv. Wie reagiert das System "Politik"? Wahlplakate mit Wahlversprechen, die für fünf Jahre ganz schon hochgesteckt sind und ihre Kandidaten als einzelkämpfende Themen-Anwälte in den Mittelpunkt der Kampagnen stellten.

Im Wahlkampf entstand der Eindruck, jede Partei wolle und können nur im Alleingang die politisch gefilterten (wirklich wichtigen?) Themen unserer heutigen und morgigen Zeit bewältigen. Und Lösungsansätze liegen auch schon in den Schubladen. Lösungsansätze, die erst nach der Wahl umgesetzt werden sollen. Warum nicht schon gestern?

Es wird niemand alleine bzw. keine Partei im Alleingang die wichtigen Weichenstellungen für unsere gemeinsame Zukunft vornehmen können!

Die emotional geprägte Debatte über AKW-Laufzeiten inkl. angst-förderndes Agenda-Settings hat mich sehr erschreckt. Eine sachliche Debatte über die gesamte Energiesituation in Deutschland benötigt ein gesamt-gesellschaftliches Forum inkl. realistischer Zeitfenster. Oft vergessen: Ein sofortiger und schneller Ausstieg birgt ebenfalls Sicherheitsrisiken inkl. der Atommüll-Endlagerproblematik, die wir gemeinsam diskutieren müssen.

Anscheinend haben zu allen Themen immer Alle ein wenig recht - somit mein wohlwollender Appell an das politische Establishment:

1. Vernetzt Euch - bildet überparteiliche Themennetzwerke, die konstruktiv und lösungsorientiert motiviert sind - nicht strukturell institutionalisiert,

2. sucht das Gemeinsame anstatt das Trennende zu inszenieren und holt Euch Experten aus dem Wahlvolk an Eure Seite.

Ich persönlich habe ein starkes Interesse daran, dass sich in unserem Land etwas ändert. Hierzu müssen wir uns jede und jeder an die eigene Nase packen. Beispiel Mobilität: Muss es immer das Auto sein? Änderungen fangen immer bei einem selbst an. Und es tut verdammt weh, sich als menschliches Gewohnheitstier zu ändern. Aber: Es geht nur so!

Als politischer interessierter Nicht-Wähler habe ich nun die Rolle des appellierende Ungültig-Wähler eingenommen. Es fällt mir schwer, in dem zum Teil unsachlichen Stimmenwirrwarr, den Willen zur Vernetzung herauszuhören. Trotzdem bleibe ich ein Fan der Demokratie und stehe "überparteilich" für eine vernetzte Gesellschaft jedem Mitmenschen in Weinheim, Baden-Württemberg und darüber hinaus als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.

Besondere Zeiten benötigen ein neues Nachdenken: Kein "entweder-oder", sondern ein "gemeinsam-handeln"! Sonst gehören wir und unsere Nachkommen irgendwann alle zu den Verlierern. Wer will das schon?

„Vielleicht sollten wir unvernünftig denken und vernünftig handeln!“

Freitag, 18. März 2011

Nach Fukushima - welche Farbe hat die Welt?

Wenn man die Stimmungslage in meinem persönlichen Umfeld oder in den Medien betrachtet, scheinen Viele sich liebend gerne eine übersichtlichere Welt zu wünschen. Ganz klare Fraktionen: Gut und böse - schwarz und weiß.

Im Zuge der sich täglich verschärfenden Reaktorkatastrophe in Fukushima wurden sehr schnell die Stimmen laut, in Deutschland sofort alle Atomreaktoren abzuschalten. Die Politik reagierte. Der "böse" Atomstrom soll nun vorzeitig auf's Abstellgleis kommen - theoretisch! Emotional ist dieser Wunsch vertretbar.

Ein wenig Eigen-Recherche dieser emotionalen StimmungsmacherInnen würde ausreichen, um feststellen zu können, dass auch ein abgeschaltetes Atomkraftwerk Sicherheitsrisiken birgt. Plus: Wo soll der ganze Atommüll denn nun schließlich "endgelagert" werden?

Es geht bei diesem Beispiel nicht mehr um Schwarz- oder Weißmalerei - es geht um einen gesellschaftlichen Mittelweg, was aus der Welt nunmal eine "graue" Welt macht. Es liegt an uns ErdenbürgerInnen sich nicht im fundamentalen Gedankengut zu verschanzen, sondern in einem gesellschaftlichen Dialog unsere graue Realität gemeinsam bunter (!) zu gestalten.

Konkret: Jede und jeder sollte mit dem Energiesparen beginnen, seine Mobilität einschränken und nicht zu jeder Jahreszeit eine riesige Auswahl an Obstsorten in unseren Supermärkten erwarten.

Das Schüren von Angst in Wahlkampfzeiten lähmt oder verhindert diesen Prozess, da suggeriert wird, dass lediglich meine Stimmabgabe ausreicht und ich mich in meinem Lebensalltag nicht einschränken muss.

Die Welt ist grau - es gibt hellgraue und dunkelgraue Momente. Wir haben es selbst in der Hand, "bunte" Akzente zu setzen. Wann fangen wir an?

Dienstag, 1. März 2011

Tageslosung (01.03.11): Grundgesetz § 1, Art 1+2

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Ich bin 1. wütend auf einige deutsche Mitmenschen, 2. erneut enttäuscht von der Politik, 3. frustriert vom intellektuellen Establishment.

1. Auch wenn Meinungsfreiheit als Grundrecht im Grundgesetz verankert ist, sollte weiterhin Artikel 1 und somit die "Würde des Menschen" im Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen Handelns stehen. Das haben einige meiner deutschen MitbürgerInnen die vergangenen Tagen vergessen: Ob bei twitter, facebook oder ebay - es war zum Teil nicht mehr lustig, was alles an viralen Trittbrettfahrern online Aufmerksamkeit suchten - auf Kosten des Menschen "zu Guttenberg".

2. Es gibt kaum einen Bundespolitiker, der die vergangenen Tage sich als wählbar anbot. Das Tribunal im Bundestag war das Übertreten einer Linie, die mein Letzt-Vertrauen in unsere angeblichen Volksvertreter erlöscht hat. Vielleicht wähle ich ab sofort "ungültig"?

3. Alle Menschen sind gleich! Somit sind Doktor-Titel & Co. in einer modernen Gesellschaft eigentlich nicht nötig. Wichtig ist der Wille zum gemeinsamen Engagement. Ich habe keinen Doktor-Titel, brauche keinen und will auch keinen. Ich glaube an die Gemeinschaft und den gemeinsamen Nenner "Frieden". Wer Unfrieden säht, beschämt seine Doktorwürde.

Wie soll es nun weitergehen? Ich weiß es nicht - werde beten...

Freitag, 18. Februar 2011

Digitales Mobbing via "Cut & Paste"

Es ist nicht in Ordnung, Quellenangaben in Diplom-, Doktor- oder Hausarbeiten zu vergessen und so die Gedanken Anderer als seine eigenen erscheinen zu lassen. Wer dies macht, muss mit Konsequenzen rechnen - ausgehend von der dafür zuständigen Instanz und nicht von uns Allen via Social Media.

Es ist nicht in Ordnung, moralische Vorverurteilungen, emotionale Häme, angeblich mehrheitsfähige Diskrimierungen - analog oder digital - per "Cut & Paste" zu kommunizieren. Dies geschieht u.a. am heutigen Tag und stimmt mich sehr nachdenklich. Ich werde mich an diesem "Digitalen Mobbing" nicht beteiligen!

Jeder Mensch ist verantwortlich für seine Taten - egal, ob es sich um gute oder schlechte Taten handelt. Sicher ist: Er/ Sie bleibt immer noch ein Mensch. Die Tat zu kritisieren bzw. rechtlich zu bewerten, ist u.a. die Aufgabe einer aufgeweckten Demkoratie inkl. Rechtsstaat und Meinungsfreiheit. Allerdings: Über den Menschen schlecht zu reden, ist sehr sehr schädlich für das gesellschaftliche Miteinander.

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Die Goldene Regel sollte vor allem im Social Web gelten. Denn: Dass wir Menschen Fehler machen, gehört zu unserer Natur. Toleranz und Respekt gegenüber unserer Mitmenschen kann helfen, damit wir trotz unser eigenen Fehler, ein angenehmes Miteinander hier auf Erden gemeinsam gestalten.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Was haben Romane der Weltliteratur und amerikanische TV-Serien gemeinsam?

Ich als bekennender Fernsehserien-Junkie habe lange mit mir gerungen wie sich der Trend der erhöhten DVD-Verkäufe von Serienboxen und meine Sehgewohnheit "Staffeln am Stück" zu schauen, erklären lässt.

Das Medium Roman erfährt mit den amerikanischen Autorenserien eine Renessaince: Was früher der Niedergang der Familie Buddenbrook in gedruckter Form war, ist heute der Niedergang der Familie Soprano in Form von "Bewegten Bildern".

Dabei wird die Erzählzeit bzw. die erzählte Zeit staffelweise gedehnt und episch vor uns Zuschauern ausgebreitet. Somit sind die Showrunner der seriellen Kulturgüter die Thomas Manns der Gegenwart.

Wie bei einem guten Roman müssen wir in jeder freien Minute weiter schauen, da uns die Personen und die Handlung in den Bann zieht - dies kann uns auch bei einem packenden Roman passieren.

Die Mediennutzung von Büchern wird somit nicht nur von uns Zuschauern der amerikanischen Autorenserien imitiert - nein auch die Produzenten und Autoren lassen Buchtitel in ihre Werke mit einfließen. Ob in Gilmore Girls, Lost, One Tree Hill oder anderen amerikanischen Serien sind viele Bücher Teil der Requisiten oder werden von den Charakteren zitiert.

Gesucht werden nun - auch in Deutschland - Autorinnen und Autoren, die epische Erzählungen in das Konzept einer TV-Serie übersetzen können. Über den Verkauf der DVD-Boxen oder der legale Download via Web kann schließlich eine attraktive Finanzierungsquelle erschlossen werden.

Dienstag, 15. Februar 2011

Das System Mubarak - typisch Afrika

Beim Verstehenwollen von Afrika und seinen politischen Systemen bin ich auf ein Buch gestoßen, das von Volker Seitz, einem ehemaligen deutschen Botschafter, verfasst wurde. Als Afrika-Insider berichtet er über traurige politische Gemeinsamkeiten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Das System Mubarak ist kein Einzelfall, sondern - leider - die Regel. Anbei einige Fragmente aus dem Buch "Afrika wird armregiert - oder Wie man Afrika wirklich helfen kann":

  1. Zahlreiche Staaten in Afrika werden seit der Unabhängigkeit von Oligarchie regiert, die den Reichtum des Landes ungestört unter sich aufteilt. Für zahlreiche Führer in Afrika ist ein politisches Grundmuster erkennbar: Die Chefs isolieren sich vom Volk und agieren in einer mehr oder weniger imaginären Welt eigener Schöpfung. Sie sind argwöhnisch und haben eine Form der Herrschaft entwickelt, die sich auf nur dem Machthaber persönlich verantwortliches Militär- und Verwaltungspersonal stützt."
  2. Es darf nicht so bleiben, wie es Dominic Johnson, der Afrika-Redakteur der "taz" 2007 beschrieb: "In keinem Land der Region hat die aufstrebende junge Generation einen zufriedenstellenden Platz im politischen System gefunden. Vielmehr hat sie vielerorts den Eindruck, eine alte Generation verscherbele den nationalen Reicht, um sich selbst zu retten."
  3. Die größte Herausforderung in den kommenden Jahren wird sein, die Entwicklungshilfe - dort wo notwendig und sinnvoll - so zu gestalten, dass nicht Gewinnmaximierung für wenige, sondern soziale Gerechtigkeit für alle das Ziel ist. "Diktatoren sollte der Geldhahn zugedreht werden", so Prinz Asfa-Wossem Asservate, Großneffe des letzten Kaisers von Äthiopien.
  4. Es gibt eine US-Studie über den Zusammenhang von Falschparken und Korruption in New York. Die deistesten Parksünder mit diplomatischer Immunität stammen aus Ländern, in denen die Korruption besonders groß ist. US-Forscher erklärten sie so: "Der Akt des Falschparkens passt genau zur Standarddefinition der Korruption, dem Missbrauch von anvertrauter Macht für private Zwecke."
  5. Statt die Ärmel hochzukrempeln, um aufzuholen, stilisieren sich die afrikanischen Führer als Opfer des Kolonialismus, Rassismus, der Globalisierung. So können die Schuldgefühle der Weißen manipulieren und Zuwendungen und Vorteile herausschlagen.
Im Buch sind noch viel mehr Fakten zur politischen Realität aufgeführt inkl. ein paar wenige Positivbeispiele. Afrika - was wird wohl aus dir?

Montag, 14. Februar 2011

1935 - als der Flyer noch ein Flugblatt war

"Heute wird mehr gedruckt und veröffentlicht als je zuvor und jeder, der eine Anzeige, ein Flugblatt oder ein Buch veröffentlicht, will, dass sein Material gelesen wird. Nicht nur die Verlage, sondern auch die Leser möchten, dass Wichtiges klar gestaltet wird. Sie werden nichts lesen, was unbequem zu lesen ist, sich aber an allem erfreuen, was klar und gut gegliedert wirkt. Aus diesem Grund muss sich der wichtige Teil hervorheben und der unwichtige muss in den Hintergrund treten.

Die Technik der modernen Typografie muss sich auch an die Geschwindigkeit unserer Zeit anpassen. Heute können wir nicht mehr so viel Zeit mit einem Briefkopf verbringen, wie es noch in den Neunzigern möglich war."

Jan Tschichold (1935)

Sonntag, 6. Februar 2011

Neues Schulfach: "Filterkompetenz"

Auf dem Weg zu einem zweiten Zeitalter der Aufklärung bin ich heute auf das Etappenziel "Filterkompetenz" gestoßen. Was verbirgt sich dahinter und warum sollte dies ein neues Schulfach werden?

Es gibt in unserem Alltag, in der Natur, in unserer Nachbarschaft oder in fernen Ländern so viele innovative Ideen zu entdecken und so viele interessante Menschen kennen zu lernen. Leider übersehen wir oftmals diese Chancen oder ignorieren diese Menschen. Warum ist das so?

Unsere heutige (westliche) Kultur ist geprägt von Filtern, die uns das eigenständige Denken und Suchen abnehmen. Outsourcing! Google gehört dazu, das Navi im Auto, aber auch eine Tageszeitung, die uns vorgefilterte Artikel, die uns evtl. interessieren könnten, ins Haus transportiert. Auch twitter und facebook haben eine Filterfunktion - unsere Freunde und Follower. Das wahrhaftig Unerwartete begegnet uns nur noch sehr selten.

Was würde passieren, wenn keine dieser Filter existieren würden? Wir würden mentales Neuland betreten. Wir würden verstehen wollen und unseren eigenen Geist anstrengen. Wir würden innerhalb von gedanklichen Expeditionen auf neue Ideen stoßen und unserer (westlichen) Kultur neue Impulse geben. Wir würden uns Lebensgeschichten von Menschen aus der Nachbarschaft oder von weit weit weg anhören und andere Meinungen tolerieren.

Und warum "Filterkompetenz" als Schulfach? Die Schulen und Universitäten sind die Foren, in denen dieser neue Geist nicht nur gelehrt, sondern praktische Anwendung finden könnte. Hier könnten wir in allen Fächern das Neue entdecken, anstatt das Alte auswendig zu lernen.

Ziel einer Jeden und eines Jeden von uns sollte sein, ihre/ seine eigene "Filterkompetenz" zu entwickeln, sich auf Neues einlassen - ungefiltert, lediglich reflektiert mit ihrem/ seinem eigenen Geist! Die Belohnung liegt in den gewonnen neuen Erkenntnissen, einem neuen Freund oder einer Idee.

P.S. Ich bin ein Fan von TED - auch ein Filter, aber ein tolles Forum!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Neue Mediensymbiose durch Ägypten?

Das Regime in Ägypten versucht laut Hr. Ossenberg (ZDF) die klassischen Medien vor dem fernzuhalten, was Morgen nach dem Freitagsgebet evtl. geschehen könnte?!? Nun werden Blogger & Co. unsere einzige Vor-Ort-Berichterstattung sein. Der klassische Journalismus ist nun auf diesen Web-Nachwuchs-light-Journalimus angewiesen.

Den ganzen heutigen TV-Abend, ob in den tagesthemen (Interview mit einem Blogger via Skype) oder ZDF spezial (twitter-Nachrichten füllen Sendezeit), wird im TV diese neue Symbiose eingeübt. Oft interviewt via Telefon oder Kamera wurde die vergangenen Tagen auch Richard Gutjahr, der spontan nach Kairo geflogen ist, um vor Ort Eindrücke zu sammeln und via Web 2.0 mit uns zu teilen. Danke für die ganze Arbeit!

Und es wird weitergehen - somit besteht die Bewährungsprobe darin, ob die Symbiose der Web-Reporter und den klassischen Medien hält und weiter ausgebaut werden kann. Fortsetzung folgt.

Montag, 31. Januar 2011

3 Fakten zur "nicht-gewerblichen öffentlichen Vorführung"

Heute Morgen erreichte mich eine eMail, in der Hintergründe zur Aufführung eines Kinofilms in einem öffentlichen Gebäude (z.B. Kirche, Gemeindehaus, Schule u.a.) abgefragt wurden. Ja - das geht, man sollte nur folgende rechtlichen Rahmenbedingungen beachten:

1. Das Aufführen einer DVD aus dem Privatarchiv ist nicht möglich. Diese DVDs sind lediglich zur privaten Vorführung lizenziert. Diesem Vertrag hat der Käufer/ die Käuferin der DVD mit dem Kauf zugestimmt,

2. eine Aufführung eines Films ist über die Lizenzierung einer "nicht-gewerblichen öffentlichen Vorführung" durch einen entsprechenden Lizenzgeber möglich. Dies sind in Deutschland u.a. Medienstellen, die BJF-Clubfilmothek oder auch der Warner Brothers Filmkatalog. Bei der Lizenzierung sollte man sehr genau die Verleihbedingungen studieren. Öffentliche Werbung für die Filmvorführung ist nicht gestattet - dies bleibt den Kino- und Videothekenbetreibern vorbehalten. Ebenso darf man zur Refinanzierung der Ausgaben keinen Eintritt verlangen

3. und schließlich gibt es da noch die GEMA. Die GEMA kümmert sich um die finanziellen Belange der Filmkomponisten. Weitere Informationen hierzu gibt es auf der Website der GEMA.

Sollten Sie diese rechtlichen Rahmenbedingungen beachten, dürfte der Filmvorführung nichts mehr im Wege stehen.

Sonntag, 30. Januar 2011

Die EKD bald crossmedial?

Laut evangelisch.de wird ein "Neues evangelisches Publizistik-Konzept gefordert", da "Kirche" anscheinend in der aktuellen Medienrealtität mit seiner printlastigen Ausrichtung kaum noch Gehör findet?

Mit Zeitverzug haben die Verantwortlichen innerhalb der EKD das Wort "crossmedial" kennen gelernt. Ob sie auch verstanden haben, was das Wort bedeutet und welche Dimension dahinter steckt?

Ein möglicher Weg für uns wäre der Dialog auf Augenhöhe mit den erfolgreichen Medienmachern der Gegenwart. Symposien nicht mehr in geschützten kirchlichen Akademien, sondern auf den Medienkongressen der Medienwelt mit Google, RTL und Spiegel. Lernen, zuhören und die christlichen Inhalte in Form von neuartigen Sendeformaten im Medienmarkt anbieten.

Ich helfe gerne.

Dienstag, 25. Januar 2011

"Das Drama im Duschungel-Camp" oder "So funktioniert Privatfernsehen"

Der Showdown an Tag 11 im Dschungel-Camp führte zum "Auszug" von Sarah K. Vorbelastet von den zwischenmenschlichen Ereignissen der Vortage eskalierte die Camp-Atmosphäre als Sarah K. von einem angeblichen Deal zwischen ihr und Jay K. berichtete. Liebespaar auf Zeit im Camp! Er dementiert - sie forciert. Das Drama nahm seinen Lauf, die Zuschauer blieben an den Empfangsgeräten - und dann: Sarah verließ das Camp.

So funktioniert Privatfernsehen: Die Quote thront über allem. Quote bedeutet Werbebuchungen und das Einnahmen für RTL. Wächter über das Quoten-Hoch ist u.a. die Redaktion, die eine Sendung betreut. Das Publikum liebt Konflikte - ob im Kino oder im TV. Nachdem die letzten beiden Tage sehr konfliktarm waren, drohten die Quoten zu kippen. Was tun? Die Redaktionsleitung könnte den Konflikt "Sarah-mit-der-Gruppe" der vergangenen Woche fortsetzen. Nur wie? (Achtung Verschwörungstheorie!)

Mach einen Deal mit Sarah K.! Sie hat die aktuelle Staffel bestimmt - so ist es doch nur wahrscheinlich, dass redaktionelle Nachhilfe und ein unverbindliches Versprechen Sarah K. zum Mitmachen animieren könnte: Sie erzählte ihre Lügengeschichte und bekommt zum Dank im Anschluss an das Camp weitere Sendezeit bei RTL.

Nur hat Sarah K. nach dieser Nacht das Handtuch geschmissen! Am heutigen Tag wird RTL die Quote sicher erfreuen - ab übermorgen steht die Redaktion wieder vor einer neuen inhaltlichen Herausforderung. Oder es kommt zu einer weiteren skandallträchtigen Episode?

Das Publikum wird es sich anschauen - was sagt das über uns aus?

Dienstag, 18. Januar 2011

Plädoyer für Papier

Viele, die mich kennen, werden jetzt überrascht sein. Aber es muss raus: JA - ich nutze noch Papier: Ich lese Bücher. Ich verschicke Papierrechnungen. Ich nutze 10-Euro-Scheine. Ich lese die gedruckte Ausgabe von Wired und anderen Magazinen.

Was aber auch stimmt: Ich ignoriere plakative Werbeprospekte aus dem Briefkasten. Ich verweigere mich inhaltslosen Tageszeitungen. Mich interessieren keine ausgelegten Flyer. Ich lese Gemeindebriefe lieber in pdf-Form auf dem iPad.

Papier ist ein kostbarer Rohstoff. Manche Inhalte sind alles andere als kostbar. Meine Nutzung von Papier hat somit sehr viel mit den Inhalten zu tun, mit denen es bedruckt ist. Der Inhalt ist dann geadelt, wenn er in mein Papier-Archiv aufgenommen wird. Also, strengt Euch an!

Freitag, 14. Januar 2011

3 Tipps zum beruflichen Karrierestart

Zu Beginn Deiner beruflichen Karriere ist es wichtig, so viel praktische Erfahrung zu sammeln wie möglich. Erfahrung ist goldwert - es wird manchmal auch der eine oder andere goldene Griff ins Klo dabei sein, den man auszuhalten hat. Nicht kündigen oder weglaufen - nein: aushalten! Das Sammeln von Erfahrungen, die Erfolgserlebnisse und das Scheitern können kein Buch, kein Studium oder Däumchendrehen auf dem Sofa ersetzen. Leuten, die etwas können, über die Schulter blicken zu dürfen, von Ihnen zu lernen, sich in ein Team zu integrieren, sind Softskills, die es bei sich zu entwickeln gilt und die meines Erachtens immer wichtiger werden.

Im jedem Beruf wird man es mit Menschen zu tun haben - ob als Teil eines Teams oder gegenüber seinen Kunden. Arbeite an Deiner Teamfähigkeit und an Deinem Charakter. Werde ein Mensch, mit dem man gerne Zeit verbringt. Nur so erhältst Du viele weitere Kontakte, die Dir weiterhelfen. Menschen sind die Goalkeeper zu der Berufswelt. Vertrage Dich mit Ihnen - auf Deinem Weg nach oben; aber auch auf Deinem Weg nach unten.

Mein letzter Tipp für heute: Verbessere Deine fachlichen Fähigkeiten jeden Tag. Stehe morgens auf und frage Dich: „Was möchte ich heute lernen? Wo kann ich mich noch verbessern?“ - Wenn Dein Job das Fotokopieren von dicken Aktenordnern ist oder das Fegen der Straße, sei der Beste in diesem Job und verschaffe Dir so positive Aufmerksamkeit. Die Chancen werden kommen - sei vorbereitet und verrichte auch diese Aufgaben mit dem Anspruch, der/ die Beste sein zu wollen. Im Laufe Deiner Karriere werden Dir Leute begegnen, die sich an Deine Leidenschaft und Dein Engagement erinnern und Dir vielleicht einen ansprechenden Job anbieten.

Es ist hart, an sich zu arbeiten - ich spreche da aus Erfahrung. Die Karriere kann beginnen - genau jetzt!

Sonntag, 2. Januar 2011

Gedanken zu "Wirtschaftsförderung in Weinheim"

Weinheim muss sich neu finden - sollte zum kreativen Innovator der Region werden - die Firma „Freudenberg“ hat es im 19. Jahrhundert vorgemacht.

Im Zusammenwachsen der Metropolregion Rhein-Neckar heißt es als Stadt bzw. Kommune, sich seiner Stärken bewusst zu werden und schließlich via Stadtmarketing - online wie offline - für die Stärken des Standorts zu werben. Somit sehe ich die Wirtschaftsförderung und die Stadtentwicklung mit dem Stadtmarketing der Stadt Weinheim als direkte Partner.

Eine von der EU geförderte Studie, die am 27. Mai 2010 unter Beteiligung von Geographen des Leibniz-Instituts für Länderkunde und der Ludwig-Maximilians-Universität München in Barcelona vorgestellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass persönliche Netzwerke und Jobangebote bei den Standortentscheidungen kreativer Talente und Unternehmen eine wichtigere Rolle spielen als kulturelle Vielfalt, Toleranz und Offenheit.

Das Team der Studie hat für kreative und wissensintensive Branchen eine alternative Betrachtungsweise städtischer Förderpolitik herausgearbeitet, die vier Hauptkonzepte einschließt: historische Entwicklungspfade (pathways), spezifische Orte (places), persönliche Netzwerke (personal networks) und individuelle Besonderheiten (particularities). Im Gegensatz zu den drei „T“ – Talent, Technologie, Toleranz – des US-amerikanischen Regionalökonomen Richard Florida betont der vorgeschlagene theoretische Ansatz die Unterschiede zwischen Städten.

Wenn man Richard Florida nicht links liegen lässt, sondern in seine Gedankenmodelle mit einfließen lässt, wird es für die Zukunft Weinheims wichtig sein, nicht nur auf den Faktor „Unternehmen“ zu setzen, sondern ebenfalls in Menschen zu investieren. Menschen, die etwas erfinden, die etwas voranbringen und der Stadt ein Image geben.

Somit müsste ein Gesamt-Konzept „Stadtentwicklung-Stadtmarketing-Wirtschaftsförderung“ erarbeitet werden, das die Unterschiede zu anderen Städten und Kommunen der Region en Detail herausarbeitet und eine Vision für Weinheim entwickelt. Im Anschluss lässt sich über eine Person beraten, z.B. ein Wirtschaftsförderer/ eine Wirtschaftsförderin, die Mithilfe des Konzepts seine/ ihre Arbeit aufnehmen könnte.

gez. Ulli Naefken