"Warum Social Media?" Gute Frage! Gegenfrage: Warum Telefon? Gemeinsame Antwort: Wir Menschen nutzen Medien, um in Kontakt zu treten und unsere Beziehung aufrechtzuerhalten bzw. zu pflegen. Hierzu ist "Social Media" eine neue mediale Option, die Telefon, Brief oder Fax ergänzt und nicht ersetzt!
Für mich ist "Social Media" Identitäts-Management, Aufbau und Pflege seines sozialen Beziehungsnetzwerks, eine Lebensweise und eine Überlebensstrategie im Internets der Gegenwart. Und für Dich?
ulloschs zeitgeist
Als Lobbyist des frischen Windes teile ich mit Ihnen in meinem Blog Impulse und Gedanken zum Zeitgeist.
Freitag, 13. Januar 2012
Warum Social Media?
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Samstag, 24. Dezember 2011
Was versteht man unter Gottesdienst-Design?
Weihnachten steht vor der Tür. Gottesdienste zu jeder Stunde und für jede Zielgruppe. Die Kirchen werden wieder überfüllt sein. Wurde in der Vorbereitung an alles gedacht - auch an das "Gottesdienst-Design"?
Beim Googlen werden Sie keine brauchbaren Suchergebnisse zu "Gottesdienst-Design" finden. Ich verwechsle mein Anliegen auch nicht mit der Liturgie eines Gottesdienstes. Es geht ganz schlicht um die Tatsache, das Setting des Gottesdienstraumes und den Gottesdienstablauf - nach welcher Liturgie auch immer - für die Gäste mitfeierbar zu designen.
Ich wurde in einem Gottesdienst von meinen Sitznachbar einmal gefragt, wie ich denn wüsste, welches Lied gesungen würde. Ich meinte nur ganz trocken, dass es an der Tafel angeschlagen sei. Leider war für diesen Gast die Art der Liedauskunft codiert. Wenn man die diversen Liturgien der vielen unterschiedlichen Kirchengemeinden einmal auseinandernimmt, stößt man auf viele Codes, die meist nur der jeweiligen Kerngemeinde bekannt sind.
Genau diese Codes sollte man für seine Gäste unter Gesichtspunkten des Designs de-codieren. Mit den Augen eines jeden und jeder Gottesdienstbesucher/in Schritt für Schritt das Ankommen, den Gottesdienst und das Nachhausegehen analysieren und bewusst planen, damit jeder Gast beim Mitfeiern des Gottesdienstes innerlich nicht abschaltet und so verloren geht. Gutes Design beinhaltet mehr als das Layout des Liedblatts. Gutes Design stellt den Menschen in den Mittelpunkt.
Beim Googlen werden Sie keine brauchbaren Suchergebnisse zu "Gottesdienst-Design" finden. Ich verwechsle mein Anliegen auch nicht mit der Liturgie eines Gottesdienstes. Es geht ganz schlicht um die Tatsache, das Setting des Gottesdienstraumes und den Gottesdienstablauf - nach welcher Liturgie auch immer - für die Gäste mitfeierbar zu designen.
Ich wurde in einem Gottesdienst von meinen Sitznachbar einmal gefragt, wie ich denn wüsste, welches Lied gesungen würde. Ich meinte nur ganz trocken, dass es an der Tafel angeschlagen sei. Leider war für diesen Gast die Art der Liedauskunft codiert. Wenn man die diversen Liturgien der vielen unterschiedlichen Kirchengemeinden einmal auseinandernimmt, stößt man auf viele Codes, die meist nur der jeweiligen Kerngemeinde bekannt sind.
Genau diese Codes sollte man für seine Gäste unter Gesichtspunkten des Designs de-codieren. Mit den Augen eines jeden und jeder Gottesdienstbesucher/in Schritt für Schritt das Ankommen, den Gottesdienst und das Nachhausegehen analysieren und bewusst planen, damit jeder Gast beim Mitfeiern des Gottesdienstes innerlich nicht abschaltet und so verloren geht. Gutes Design beinhaltet mehr als das Layout des Liedblatts. Gutes Design stellt den Menschen in den Mittelpunkt.
Freitag, 23. Dezember 2011
Social Media - what‘s next?
Der Wandel der Zeit wird spürbar schneller. Veränderungen und Wandel dauerten in früheren Jahrhunderten ganze Generationen. In den letzten 15 Jahren verwandelte sich durch das Internet unser Planet von einem Handkarren in eine Mondfähre. Viele Internetdienste ließen den Planeten kleiner werden. Facebook, YouTube, twitter, foursquare, Google+, Smartphone, App, Tablet sind unsere mediale Gegenwart - was kommt als Nächstes: What‘s next?
Mein Zwischenfazit gegen Ende des Jahres 2011: Der Mensch rückt in den Mittelpunkt der Welt. - Ich rücke in den Mittelpunkt. - Ich bin nicht mehr fremdbestimmt durch etablierte Systeme, sondern lebe selbstbestimmt in den Tag und gestalte mit dieser gewonnen Freiheit diesen Planeten mit um. Social Media hilft mir dabei!
Wenn ich in den Mittelpunkt rücke, kenne ich mich überhaupt? Ich frage mich: Wer bin ich? Was ist aus mir geworden? Was wird aus mir? Bin ich zufrieden?
Ich bin nicht alleine auf der Welt - auch nicht in der Virtuellen. Soziale Netzwerke werden sichtbar und mächtig. Jeder Knotenpunkt in meinem Netzwerk hat Einfluss auf meine Stimmung, die Themen und die Dynamik meiner Nachbarschaft. Kommuniziert und organisiert wird sich u.a. mit Hilfe der Social Media.
Wie kann aus dem „Ich“ ein „Wir“ werden? Ich muss auf Motzerinnen und Motzer zugehen und sie in etablierte Netzwerke integrieren. Ich muss ihnen zuhören und eine Beziehung zu Ihnen aufbauen. Miese Stimmung verbreitet sich in einem Netzwerk rasant. Das Ziel heißt, positive Dynamiken anzustoßen oder zu finden und zu fördern.
Wie lautet eine mögliche Mission für uns: Wir als Early Adopters in Sachen Social Media sollten unsere analogen Netzwerke von den Chancen von Social Media vorschwärmen und allen Offlinern als Integrationsberater/innen zur Seite stehen. Wir sollten Solidarität vorleben und über facebook & Co. multiplizieren. Wir sollten Zuversicht zeigen. Mentor/in sein.
Am Ende des Tages geht es nicht um mich mich alleine - es geht um uns und wie wir als Knotenpunkt in unseren sozialen Netzwerken agieren und kommunizieren. Das ist der Mehrwert für jede und jeden von Social Media!
What‘s next? Wir schaffen Schnittmengen von unseren virtuellen Netzwerken mit den etablierten Netzwerken der realen Welt und schaffen ein lebensbejahendes Miteinander für uns und die, die nach uns kommen.
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Was macht eigentlich ein Social-Media-Producer?
Die Berufsbezeichnung Social-Media-Producer (SMP) stammt nicht von mir. Allerdings hat mir die Wortkreation aus dem Medienkanal "Social Media" und dem Job eines "Producers" vor einiger Zeit so gut gefallen, dass ich ihn erst einmal adoptierte. Nach einigen Monaten als selbstständiger SMP möchte ich meine Definition der Berufsbezeichnung nachreichen:
1. Ein Social-Media-Producer entwickelt und koordiniert die Social-Media-Strategie seiner Kunden und produziert schließlich gemeinsam mit einem Team von Social-Media-Reportern social-media-affine Beiträge in Form von Videos, Fotos und Textbeiträgen. Er weiß, was sich hinter dem Begriff ZMOT verbirgt und nutzt dieses Wissen bei der Produktion und Koordination der Beiträge im Internet.
2. In interdisziplinären Teams entwickelt der SMP gemeinsam mit dem Kunden eine Sozial-Media-Strategie. Diese beinhaltet eine Definition der Zielgruppen, eine Vernetzungsstrategie mit den Zielgruppen über die jeweilige Social-Media-Plattformen und dem Finden von Ideen für redaktionelle - social-media-affine - Inhalte. Des weiteren werden gemeinsam mit dem Kunden Ziele, Ressourcen und ein Budget festgelegt.
3. Im Rahmen der Konzeptionsfindung tritt der SMP als Coach in Erscheinung und hilft dem Kunden bei der Wahrnehmung seines Selbstbildes. Er führt Schulungen, Fortbildungen und Workshops (Kameratraining, Kommunikationstraining, Recht, Mediengeschichte, facebook & Co.) für und mit dem Kunden durch und stärkt so die Medienkompetenz der in Social Media aktiven Mitarbeiterschaft.
4. In der Praxisphase bleibt der SMP zentraler Ansprechpartner. Er ist Stimme und Ohr des Kunden und übernimmt bei der Umsetzung der Social-Media-Strategie die Redaktionsleitung sowie das Community Management - Ausnahme ist eine Inhouse-Lösungen des Kunden. Er koordiniert die Social-Media-Reporter-Schar, die Inhalte in Form von Filmen, Fotos und Textbeiträgen für die einzelnen Social-Media-Kanälen produzieren. Der SMP ist ebenfalls vertraut mit den klassischen PR-Instrumenten und ist Schnittstelle zwischen alter und neuer Medienwelt (Website, Pressemitteilung, Flyer etc.).
5. In seinem eigenen Medienlabor beobachtet der SMP den Medienmarkt und testet in Pilotprojekten neue mediale Optionen. Die gesammelten Erfahrungen gibt er an seine Kunden weiter.
6. Egal, ob facebook, Flyer oder Festessen. Mit seinem Netzwerk an Partnerfirmen ist der SMP in der Lage, Dienstleistungen in hoher Qualität anbieten zu können. So lassen sich Lebenserfahrung, Fachwissen und neuartige Visionen wunderbar unter einen Hut bringen und Beziehungen im analogen und digitalen Umfeld knüpfen und pflegen.
Stand: 13. Januar 2012
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Neun coole Schulen im Web
Einige Internetdienste verändern mit ihrem Service die Art wie wir lernen und unterrichten. Anbei einige der Interessantesten:
- www.engineerguy.com: Komplexe technische Zusammenhänge erklärt von einem echten Professor,
- www.cnx.org: Offene Seite für alle, die ihr erarbeitetes Wissen mit allen teilen wollen,
- www.apple.com/education/itunes-u: Ein Service von Apple in Kooperation mit diversen Universitäten. Vorlesungen zum Download ohne Immatrikulationsbescheinigung,
- code.google.com/intl/de-DE/edu: Großes Wissensarchiv für zukünftige Webentwickler und Programmierer,
- www.moma.org/modernteachers: Das Museum of Modern Art bietet Lehrern vorbereitete Unterrichtseinheiten zum Thema Kunst,
- www.pbs.org/teachers: Professionell zusammengestellte Unterrichtsmaterial,
- www.youtube.com/education: Enormes Video-Archiv,
- www.khanacademy.org: Der Klassiker von und mit Salman Khan,
- www.rpi-virtuell.net: Deutsche Plattform für Religionsunterricht & Co.
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Samstag, 1. Oktober 2011
Eine Woche nach der dmexco: Was passiert, wenn nichts passiert?
Ich als Nicht-Anzug-Träger und Nicht-iPhone-Nutzer schlenderte als Exot durch die Messehallen in Köln, um nach Inspiration zu suchen, und fand mich irgendwie auf dem Planeten „dmexco“ kaum zurecht. Orientierung bot zwar das gedruckte obligatorische Messeprogramm, aber die einzelnen Messestände (von Google mal abgesehen) waren eher ausladend als einladend. Bombastische Messeauftritte von für mich unbekannte „Markengrößen“, die sich hinter codierten Schlagwörtern versteckten, von denen mit Sicherheit die halbe Belegschaft vor einem halben Jahr noch nicht wusste, welche Bedeutung und welche Relevanz sich hinter diesem Begriff wohl verstecken mag.
Dann fand ich die „Debate Hall“, eine sehr gute Einrichtung mit fähigen Wortbeiträgen. Die beste Session war zum Thema: „Brand Building at its best“.
In vielen Dingen konnte ich innerlich zustimmen:
Für uns Digital Natives gibt es keine Trennung zwischen der analogen, physikalischen Welt und den digitalen Möglichkeiten im Internet. Es ist und bleibt eine Welt mit realen Menschen. Menschen, die reale Beziehungen brauchen.
Das Aufheben der mentalen Trennung zwischen analog und digital gilt auch für Marken: Eine nur online exklusiv vertretene Marke wird es sehr schwer haben, zu wachsen. Ein Anker in der realen Welt macht es für Marketing & Co. einfacher.
Die Ära, in dem der Konsument im Mittelpunkt alles Handelns stehen sollte, ist durch Web 2.0 angebrochen. Die Konsumenten kontrollieren Marken. An den Kontrollverlust wird man sich gewöhnen müssen. Das wird für die deutsche Mentalität eine große Herausforderung: Hierzulande ist man gewohnt in Struktur, Infrastruktur und Technologie zu denken und zu handeln - der Konsument kommt allzu oft immer erst am Schluss.
Was ist somit für uns zu tun: Es müssen reale Momente für Konsumenten entstehen, die es zu konservieren gilt, am Besten auf allen verfügbaren Medienkanälen. Nur so kann man Leute nachhaltig erreichen und ihre Vorlieben ändern.
In der „Congress Hall“ ergänzt Alfredo Gangotena von Mastercard in seiner „Opening-Keynote: Global Brand Building in the Digital Age“ diesen Trend: In New York wird Shopping immer mehr zum Sport. Via Kamera im Spiegel des Umkleideraums kann jede und jeder via Screenshot sein Netzwerk um Rat fragen, ob das aktuelle Outfit zu einem passe.
Was passiert, wenn nichts passiert? Wer den Wandel verschläft und es nicht in die digitale Welt schafft, wird an Bedeutung verlieren, wie - laut Gangotena - 7 der 10 Top-Marken des letzten Jahrzehnts.
Mein dmexco-Fazit: Die Messestände waren naja und die Speaker & Co. top!
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Sonntag, 31. Juli 2011
Relevanz + Qualität + Nächstenliebe | Gedanken nach einem „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“
Prolog
Aufgrund einer biographischen Entscheidung meinerseits wagte ich mich am 01. August 2010 auf ein „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“. Das schwarze Loch des Ehrenamts sog mich immer mehr in sich hinein. Ob das bewusst und unterbewusst geschah, lässt sich rückblickend nur noch sehr schwer rekonstruieren. Nur soviel: Die "Arbeit" fiel an und musste damals gemacht werden und oft war ich es, der diese erledigte und die Nachfrage nach meiner Art, die Sachen - zum Teil kostenneutral - anzupacken, stieg stetig.
Knackpunkt für mich war der Abschluss meiner Ausbildung als Prädikant. Von mir liturgisch vorbereitet und mit-gestaltete Gottesdienste erfuhren positive Resonanz - mich erstaunte das Feedback und die Wirkung. Es sollte auch hier bitte schön mehr werden - ehrenamtlich!?
Für viele Arbeitsgebiete in der „Struktur“ Kirche gibt es bezahlte Arbeitskräfte, die Leistungen erbringen sollen, die weit über dem in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten stehen. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ - fällt mir als Sprichwort ein. Tue das, was Du gelernt hast; beschränke Dich auf die Dinge, die Du schon immer gemacht hast und mit denen Du Dich auskennst. Nun hat der „Schuster“ (mir ist leider keine weibliche Bezeichnung bekannt) sich auch noch um Haushaltspläne, der Versammlungsstättenverordnung, Vertragsrecht und/ oder Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern. Er versucht, scheitert und sammelt kleine Erfolgserlebnisse - plus: da ist ja noch seine eigentliche Arbeit als Seelsorger(in), Pfarrer(in) oder Gemeindediakon(in).
Ich habe einige wenige Kenntnisse vom „Schustern“, bin allerdings in anderen Dingen ausgebildet bzw. bringe berufliche Erfahrung mit. Aber: Es war bis heute kein hauptamtlicher Platz frei in der „Struktur“ Kirche für einen in seinem Arbeitsgebiet professionell handelnden Produzenten wie mich. Die Flexibilität der „Struktur“ war - Stand damals - gleich null und wurde immer mit Budgetmangel begründet: „Es ist kein Geld da!“
Schuster, Schreiner und Bibliothekare blieben im Amt und kassierten ihren Lohn inkl. Qualitätsansprüchen von gestern. Beispiel Öffentlichkeitsarbeit: Bitte auf analogem Papier, als verstaubter Schaukasten und mit Webaktivitäten auf Sparflamme. Die Qualitätsansprüche konnte man den Hauptamtlichen nicht vorwerfen, da a) der Wunsch der kirchlichen Gremien Berücksichtigung fand und b) alle „Schuster“ eigentlich für etwas anderes ausgebildet wurden.
Meine innere Konfliktlinie verlief wie folgt: Ich sollte doch bitte weiter machen mit meiner qualitativ hochwertigen und "preiswerten" Arbeit, bezahlte Arbeitskräfte so entlasten und mich in Demut bemühen. Das damalige Pensum war enorm und bot wenig Zeitkorridore, um bezahlter Arbeit nachgehen zu können. Somit zog ich im vergangenen Jahr die Reißleine!
Relevanz
Das Sabbatjahr begann. All mein ehrenamtliches Engagement wollte ich für genau ein Jahr ruhen lassen - Ende Januar 2011 trat ich vorzeitig von allen Ehrenämtern (Bezirkskirchenrat, Bezirkssynode u.a.) zurück. Meinen Gottesdienstbesuch wollte ich einschränken und so mir terminliche Freiheit verordnen. Selbstbestimmte Freiheit, an die ich mich erst wieder gewöhnen musste.
In den ersten Wochen machte ich eine außergewöhnliche Erfahrung: Niemand aus der Gemeinde suchte den aktiven Kontakt. Das Gleichnis vom „verlorenen Schaf“, das vom Hirten gesucht wurde, ging nicht Erfüllung. Auch mein Telefon, das vor dem Sabbatjahr verwendet wurde, um mich um die Erledigung des einen oder anderen Jobs zu bitten, blieb still. Geriet ich in Vergessenheit? The show must go on? Ulli ist zu teuer? Ersetzbar? Diese Gedanken beschäftigten mich damals und zum Teil auch noch heute.
Durch meinen Vater erfuhr ich, dass sich mit der Zeit einige nach mir erkundigten. Aber nicht bei mir auf direktem Weg, sondern über mehrere Ecken. Es geisterte sogar das Gerücht durch Weinheim, ich wäre aus der Kirche ausgetreten...
Sind wir als „Kirche“ zu sehr mit der Synchronisierung unserer Terminkalender beschäftigt? Beschränken wir unser christliches Wirken zu sehr in Gottesdiensten, Gremien, Gruppen und Kreisen? Wann haben wir einmal Zeit für uns und wann Zeit für Andere? Andere, die uns „außerhalb“ unserer Kalender begegnen?
Durch den direkten Nicht-Kontakt verschwand für mich die Relevanz von „Kirche“ immer mehr aus meinem Alltag - aber nicht die Relevanz von Gott. Durch meine beruflichen Aktivitäten als „Schäfchen“ unter „Sehr-Kirchenfernen“ und Atheisten war mir mein Glaube eine Stütze und ein Halt. Ich hatte auf einmal Zeit, mich diesen „Anderen“ sehr intensiv widmen zu können. Das waren zum Teil sehr schöne und auch mal schmerzhafte Erfahrungen. Aber sie waren nötig - für mich und für mein Gegenüber.
Qualität
Ende Oktober 2010 meldete sich die Gemeinde bei mir mit einer Einladung zum Mitarbeiterfest. Zum Mitarbeiterfest werden alle ehrenamtlich Aktiven eingeladen und sich auf diesem Wege für deren Engagement bedankt. Eine Art institutionalisierte Anerkennung, einmal pro Jahr!
Die Nicht-Qualität der Einladung schockierte mich: Die Straße war auf dem Kuvert durchgestrichen und mit Hand ergänzt und aus „Lieber Ulli“ in der Anrede wurde im Brief ein „Sie“. Die Einladung hatte eine Funktion zu erfüllen, aber persönliche Wahrnehmung des Anderen sah für mich anders aus. Es war z.B. bekannt, dass ich keinen Alkohol trinke. Mich auf das Programmangebot „Weinprobe“ hinzuweisen, motivierte mich, der Veranstaltung schlussendlich fernzubleiben.
Ein kurze Exkursion in meine Lebenswelt: Durch facebook, twitter & Co. sind alle dort online Aktiven in Beziehungsnetzwerken verwoben. Das Interesse für den/ die Gegenüber steht über allem. Man zeigt seine Bereitschaft, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Dies beinhaltet u.a. aktives Zuhören und ein aktives Interesse für den/ die Gegenüber. Die Zeit vom 01. August bis Ende Oktober 2010 war zwischen der „Struktur“ Kirche und mir geprägt vom gegenseitigen Ignorieren und dem gegenseitigen Nicht-Interesse. Somit kam die Einladung zum Mitarbeiterfest in dieser Form für mich sehr unwillkommen - auch wenn sie gut gemeint war. Aber die Beziehung hatte in der ersten Phase des Sabbatjahres stark gelitten und konnte für mich nicht durch ein „Fest“ gekittet werden.
Warum war das so? Ich fing an, mich mit diesem Umstand zu beschäftigen.
Nächstenliebe
Das heutige Zwischenfazit meiner Überlegungen: Wir benötigen eine neue Qualität der Definition unserer Beziehungen, der gegenseitigen Anerkennung - und somit der Nächstenliebe. Das betrifft uns Alle in der gesamten badischen Landeskirche. Wir dürfen gerne am Geld sparen, aber nicht an Nächstenliebe. Das wäre nicht mit dem Kern von Kirche vereinbar. Niemand ist ersetzbar und sollte mit diesem Gefühl abends ins Bett gehen müssen.
Was ist zu tun?
Wir erneuern das Gemeinsame und unterbinden das strukturell gepflegte Verschanzen in von Terminkalendern bestimmten „Ghettos“ (Gottesdiensten, Gremien, Gruppen etc.).
Wir erlernen wieder das Zuhören und Helfen. In den Gesprächen präsent sein ‐ und nicht geistig abwesend ‐ wird hier ein Schlüssel sein. So wie es Christus in seinem Wirken vorgemacht hat: Jesus ging auf Leute zu oder besuchte sie in ihrem Haus und kümmerte sich um Menschen, die zu ihm kamen, zu ihm gebracht wurden oder auf seinem Weg auf ihn warteten - selbstlos und unvoreingenommen.
Wir überprüfen die Fülle an Terminen, die unsere Kalender verstopfen und finden Qualitätskriterien für die Termine, die wir ausmachen oder dann auch einmal ausfallen lassen können. So entstehen terminliche Lücken, die wir unseren „Nächsten“ schenken können.
Dankender Weise wurde ich vom „Zentrum für Kommunikation“ des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe mit dem Aufbau der landeskirchlichen facebook-Seite betraut und versuche seitdem, diesen neuen Geist häppchenweise via facebook unter‘s Volk zu bringen. Facebook bietet sich als Plattform hervorragend an, diese neue Kultur des Miteinanders einzuüben und pflegen. Wir sind allerdings erst am Anfang...
Epilog
Vielleicht ist das mein Platz in der „Struktur“: Ich begegne allen Schustern, Schreinern und Bibliothekaren als „Schäfchen“. Ein „Schäfchen", das für Chancen des Zeitgeistes wirbt und Freiräume findet, die es den „Hauptamtlichen“ ermöglicht, ihren eigentlichen „Job“ auszuüben?
P.S. Allerdings auf Rechnung! Deren jeweilige Höhe sich an der Rechtsverordnung über die Zahlung von Honoraren im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden orientiert.
Aufgrund einer biographischen Entscheidung meinerseits wagte ich mich am 01. August 2010 auf ein „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“. Das schwarze Loch des Ehrenamts sog mich immer mehr in sich hinein. Ob das bewusst und unterbewusst geschah, lässt sich rückblickend nur noch sehr schwer rekonstruieren. Nur soviel: Die "Arbeit" fiel an und musste damals gemacht werden und oft war ich es, der diese erledigte und die Nachfrage nach meiner Art, die Sachen - zum Teil kostenneutral - anzupacken, stieg stetig.
Knackpunkt für mich war der Abschluss meiner Ausbildung als Prädikant. Von mir liturgisch vorbereitet und mit-gestaltete Gottesdienste erfuhren positive Resonanz - mich erstaunte das Feedback und die Wirkung. Es sollte auch hier bitte schön mehr werden - ehrenamtlich!?
Für viele Arbeitsgebiete in der „Struktur“ Kirche gibt es bezahlte Arbeitskräfte, die Leistungen erbringen sollen, die weit über dem in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten stehen. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ - fällt mir als Sprichwort ein. Tue das, was Du gelernt hast; beschränke Dich auf die Dinge, die Du schon immer gemacht hast und mit denen Du Dich auskennst. Nun hat der „Schuster“ (mir ist leider keine weibliche Bezeichnung bekannt) sich auch noch um Haushaltspläne, der Versammlungsstättenverordnung, Vertragsrecht und/ oder Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern. Er versucht, scheitert und sammelt kleine Erfolgserlebnisse - plus: da ist ja noch seine eigentliche Arbeit als Seelsorger(in), Pfarrer(in) oder Gemeindediakon(in).
Ich habe einige wenige Kenntnisse vom „Schustern“, bin allerdings in anderen Dingen ausgebildet bzw. bringe berufliche Erfahrung mit. Aber: Es war bis heute kein hauptamtlicher Platz frei in der „Struktur“ Kirche für einen in seinem Arbeitsgebiet professionell handelnden Produzenten wie mich. Die Flexibilität der „Struktur“ war - Stand damals - gleich null und wurde immer mit Budgetmangel begründet: „Es ist kein Geld da!“
Schuster, Schreiner und Bibliothekare blieben im Amt und kassierten ihren Lohn inkl. Qualitätsansprüchen von gestern. Beispiel Öffentlichkeitsarbeit: Bitte auf analogem Papier, als verstaubter Schaukasten und mit Webaktivitäten auf Sparflamme. Die Qualitätsansprüche konnte man den Hauptamtlichen nicht vorwerfen, da a) der Wunsch der kirchlichen Gremien Berücksichtigung fand und b) alle „Schuster“ eigentlich für etwas anderes ausgebildet wurden.
Meine innere Konfliktlinie verlief wie folgt: Ich sollte doch bitte weiter machen mit meiner qualitativ hochwertigen und "preiswerten" Arbeit, bezahlte Arbeitskräfte so entlasten und mich in Demut bemühen. Das damalige Pensum war enorm und bot wenig Zeitkorridore, um bezahlter Arbeit nachgehen zu können. Somit zog ich im vergangenen Jahr die Reißleine!
Relevanz
Das Sabbatjahr begann. All mein ehrenamtliches Engagement wollte ich für genau ein Jahr ruhen lassen - Ende Januar 2011 trat ich vorzeitig von allen Ehrenämtern (Bezirkskirchenrat, Bezirkssynode u.a.) zurück. Meinen Gottesdienstbesuch wollte ich einschränken und so mir terminliche Freiheit verordnen. Selbstbestimmte Freiheit, an die ich mich erst wieder gewöhnen musste.
In den ersten Wochen machte ich eine außergewöhnliche Erfahrung: Niemand aus der Gemeinde suchte den aktiven Kontakt. Das Gleichnis vom „verlorenen Schaf“, das vom Hirten gesucht wurde, ging nicht Erfüllung. Auch mein Telefon, das vor dem Sabbatjahr verwendet wurde, um mich um die Erledigung des einen oder anderen Jobs zu bitten, blieb still. Geriet ich in Vergessenheit? The show must go on? Ulli ist zu teuer? Ersetzbar? Diese Gedanken beschäftigten mich damals und zum Teil auch noch heute.
Durch meinen Vater erfuhr ich, dass sich mit der Zeit einige nach mir erkundigten. Aber nicht bei mir auf direktem Weg, sondern über mehrere Ecken. Es geisterte sogar das Gerücht durch Weinheim, ich wäre aus der Kirche ausgetreten...
Sind wir als „Kirche“ zu sehr mit der Synchronisierung unserer Terminkalender beschäftigt? Beschränken wir unser christliches Wirken zu sehr in Gottesdiensten, Gremien, Gruppen und Kreisen? Wann haben wir einmal Zeit für uns und wann Zeit für Andere? Andere, die uns „außerhalb“ unserer Kalender begegnen?
Durch den direkten Nicht-Kontakt verschwand für mich die Relevanz von „Kirche“ immer mehr aus meinem Alltag - aber nicht die Relevanz von Gott. Durch meine beruflichen Aktivitäten als „Schäfchen“ unter „Sehr-Kirchenfernen“ und Atheisten war mir mein Glaube eine Stütze und ein Halt. Ich hatte auf einmal Zeit, mich diesen „Anderen“ sehr intensiv widmen zu können. Das waren zum Teil sehr schöne und auch mal schmerzhafte Erfahrungen. Aber sie waren nötig - für mich und für mein Gegenüber.
Qualität
Ende Oktober 2010 meldete sich die Gemeinde bei mir mit einer Einladung zum Mitarbeiterfest. Zum Mitarbeiterfest werden alle ehrenamtlich Aktiven eingeladen und sich auf diesem Wege für deren Engagement bedankt. Eine Art institutionalisierte Anerkennung, einmal pro Jahr!
Die Nicht-Qualität der Einladung schockierte mich: Die Straße war auf dem Kuvert durchgestrichen und mit Hand ergänzt und aus „Lieber Ulli“ in der Anrede wurde im Brief ein „Sie“. Die Einladung hatte eine Funktion zu erfüllen, aber persönliche Wahrnehmung des Anderen sah für mich anders aus. Es war z.B. bekannt, dass ich keinen Alkohol trinke. Mich auf das Programmangebot „Weinprobe“ hinzuweisen, motivierte mich, der Veranstaltung schlussendlich fernzubleiben.
Ein kurze Exkursion in meine Lebenswelt: Durch facebook, twitter & Co. sind alle dort online Aktiven in Beziehungsnetzwerken verwoben. Das Interesse für den/ die Gegenüber steht über allem. Man zeigt seine Bereitschaft, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Dies beinhaltet u.a. aktives Zuhören und ein aktives Interesse für den/ die Gegenüber. Die Zeit vom 01. August bis Ende Oktober 2010 war zwischen der „Struktur“ Kirche und mir geprägt vom gegenseitigen Ignorieren und dem gegenseitigen Nicht-Interesse. Somit kam die Einladung zum Mitarbeiterfest in dieser Form für mich sehr unwillkommen - auch wenn sie gut gemeint war. Aber die Beziehung hatte in der ersten Phase des Sabbatjahres stark gelitten und konnte für mich nicht durch ein „Fest“ gekittet werden.
Warum war das so? Ich fing an, mich mit diesem Umstand zu beschäftigen.
Nächstenliebe
Das heutige Zwischenfazit meiner Überlegungen: Wir benötigen eine neue Qualität der Definition unserer Beziehungen, der gegenseitigen Anerkennung - und somit der Nächstenliebe. Das betrifft uns Alle in der gesamten badischen Landeskirche. Wir dürfen gerne am Geld sparen, aber nicht an Nächstenliebe. Das wäre nicht mit dem Kern von Kirche vereinbar. Niemand ist ersetzbar und sollte mit diesem Gefühl abends ins Bett gehen müssen.
Was ist zu tun?
Wir erneuern das Gemeinsame und unterbinden das strukturell gepflegte Verschanzen in von Terminkalendern bestimmten „Ghettos“ (Gottesdiensten, Gremien, Gruppen etc.).
Wir erlernen wieder das Zuhören und Helfen. In den Gesprächen präsent sein ‐ und nicht geistig abwesend ‐ wird hier ein Schlüssel sein. So wie es Christus in seinem Wirken vorgemacht hat: Jesus ging auf Leute zu oder besuchte sie in ihrem Haus und kümmerte sich um Menschen, die zu ihm kamen, zu ihm gebracht wurden oder auf seinem Weg auf ihn warteten - selbstlos und unvoreingenommen.
Wir überprüfen die Fülle an Terminen, die unsere Kalender verstopfen und finden Qualitätskriterien für die Termine, die wir ausmachen oder dann auch einmal ausfallen lassen können. So entstehen terminliche Lücken, die wir unseren „Nächsten“ schenken können.
Dankender Weise wurde ich vom „Zentrum für Kommunikation“ des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe mit dem Aufbau der landeskirchlichen facebook-Seite betraut und versuche seitdem, diesen neuen Geist häppchenweise via facebook unter‘s Volk zu bringen. Facebook bietet sich als Plattform hervorragend an, diese neue Kultur des Miteinanders einzuüben und pflegen. Wir sind allerdings erst am Anfang...
Epilog
Vielleicht ist das mein Platz in der „Struktur“: Ich begegne allen Schustern, Schreinern und Bibliothekaren als „Schäfchen“. Ein „Schäfchen", das für Chancen des Zeitgeistes wirbt und Freiräume findet, die es den „Hauptamtlichen“ ermöglicht, ihren eigentlichen „Job“ auszuüben?
P.S. Allerdings auf Rechnung! Deren jeweilige Höhe sich an der Rechtsverordnung über die Zahlung von Honoraren im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden orientiert.
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